Zwei Jahre Cannabis-Legalisierung: Experten sehen keinen Anstieg bei Kiffern
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Zwei Jahre Cannabis-Legalisierung: Experten sehen keinen Anstieg bei Kiffern

News. 2. April 2026 | 0 / 5,0

Geschrieben von:
Christoph Benkeser

Zwei Jahre nach der Teillegalisierung von Cannabis in Deutschland zieht ein wissenschaftlicher Forschungsverbund eine gemischte Zwischenbilanz. Der befürchtete Anstieg bei Kiffern ist allerdings ausgeblieben.

"Ein Anstieg des Konsums, der auf die Reform zurückgeführt werden könnte, ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht erkennbar", heißt es in dem am Mittwoch veröffentlichten Bericht. Verfasst wurde er von Forschenden der Universitäten Tübingen, Düsseldorf und Hamburg-Eppendorf im Rahmen des Projekts EKOCAN (Evaluation des Konsumcannabisgesetzes). Es ist der zweite Zwischenbericht dieser Art. Der dritte und abschließende wird für April 2028 erwartet.

Der Schwarzmarkt schrumpft

Alle Untersuchungen und Erhebungen gehen davon aus, dass es zu einem Rückgang des Schwarzmarktes gekommen ist, so der Kriminologe und Mitautor des Berichts Jörg Kinzig. Erste Erkenntnisse deuten auf eine "schrumpfende Bedeutung des Schwarzmarktes" hin, was zur "finanziellen Schwächung krimineller Gruppierungen beitragen" könnte. Allerdings weisen die Forschenden auch darauf hin, dass ein moderat wachsender Anteil des konsumierten Cannabis aus grundsätzlich legalen Quellen stammt, also aus Eigenanbau oder sogenanntes Medizinalcannabis aus Apotheken.

Dabei zeigt sich jedoch ein unerwünschter Nebeneffekt. Immer mehr Freizeitkiffer besorgen sich ihr Cannabis über Online-Apotheken mit leicht erhältlichen Privatrezepten, obwohl das so nie vorgesehen war. Im Jahr 2025 wurden 200 Tonnen medizinisches Cannabis legal importiert, ein Plus von 198 Prozent gegenüber 2024.

Politischer Streit geht weiter

Ein zentraler Kritikpunkt des Berichts betrifft den Jugendschutz. Frühinterventions- und Beratungsangebote werden von Jugendlichen, die Cannabis konsumieren, infolge der Gesetzesreform deutlich seltener in Anspruch genommen als vor der Einführung, weil die Justiz kaum noch verpflichtende Zuweisungen zu Frühinterventionskursen vornimmt. Dabei gehe unter Jugendlichen der Anteil der Konsumierenden seit 2019 anhaltend zurück, und das Risikobewusstsein sei hoch.

Die Ergebnisse stoßen in der Politik auf unterschiedliche Reaktionen. Innenminister Alexander Dobrindt (CSU) bezeichnete das Gesetz der damaligen Ampelregierung als "vollkommenen Rohrkrepierer" und beklagte, dass der Schwarzmarkt boome und die Kriminalität steige. Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) wies auf den starken Rückgang bei Frühinterventionen für Kinder und Jugendliche hin.

Mit der Forderung, das Gesetz vollständig abzuschaffen, konnten sich CDU und CSU in den Koalitionsverhandlungen nicht durchsetzen. Mit der SPD ist vereinbart, das Cannabis-Gesetz "ergebnisoffen" zu prüfen.

Für die Anbauvereinigungen, sogenannte Cannabis-Social-Clubs, über die Cannabis legal bezogen werden kann, sieht der Bericht dringenden Handlungsbedarf. Bislang sind bundesweit nur sehr wenige Vereinigungen genehmigt worden. Eine Vereinfachung gesetzlicher Vorschriften könnte die Verdrängung des Schwarzmarktes beschleunigen, heißt es im Forschungsbericht.

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