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Großer Frühjahrsputz: Sony entfernt 135.000 Fake-Tracks – "nur die Spitze des Eisbergs"

Großer Frühjahrsputz: Sony entfernt 135.000 Fake-Tracks – "nur die Spitze des Eisbergs"

Allgemein. 23. März 2026 | 4,5 / 5,0

Geschrieben von:
Christoph Benkeser

Der Musikkonzern Sony Music hat die Entfernung von mehr als 135.000 sogenannten Deepfake-Songs von Streaming-Plattformen beantragt. Die Tracks seien mithilfe von Künstlicher Intelligenz erstellt worden und imitierten Stimmen und Klang prominenter Sony-Artists. Unter den betroffenen Künstler:innen seien Weltstars wie Beyoncé, Queen und Harry Styles.

Die gefälschten Songs werden gezielt dann hochgeladen, wenn Künstler:innen ein neues Album promoten, heißt es von Sony. "Die Fälscher bauen auf der Nachfrage auf, die der Artist geschaffen hat, profitieren davon und untergraben, was er erreichen will", so Dennis Kooker, Präsident von Sonys globalem Digitalgeschäft. In schwerwiegenden Fällen könnten solche Fälschungen ganze Release-Kampagnen beschädigen oder den Ruf eines Artists nachhaltig schädigen. Allein seit März 2025 hat Sony rund 60.000 solcher Tracks identifiziert und geht davon aus, dass die tatsächliche Gesamtzahl auf Streaming-Diensten wie Spotify, Apple Music oder YouTube deutlich höher liegt.

KI macht Betrug einfach

Der Hintergrund ist ein systemisches Problem, das die gesamte Musikbranche betrifft. Generative KI-Tools sind inzwischen so günstig und zugänglich, dass professionell klingende Fakes in Sekundenschnelle produziert werden können. Was früher handwerklichen Aufwand erforderte, lässt sich heute im industriellen Maßstab automatisieren.

Das zeigt auch ein aktueller Rechtsfall aus den USA. Am 19. März 2026 bekannte sich ein 54-jähriger US-Amerikaner vor einem Bundesgericht in New York schuldig, zwischen 2017 und 2024 mit KI-generierten Songs und Bot-Netzwerken über acht Millionen Dollar an Streaming-Tantiemen ergaunert zu haben. Er muss den Betrag vollständig zurückerstatten, ansonsten drohen ihm bis zu fünf Jahre Haft. Ein juristisches Signal, das die Branche als Präzedenzfall wertet.

Wie gravierend das KI-Problem ist, verdeutlichen auch Zahlen des französischen Streamingdienstes Deezer: Bis zu 85 Prozent der Streams vollständig KI-generierter Titel auf der Plattform waren 2025 betrügerisch. Im Schnitt erhielt Deezer täglich über 60.000 KI-Songs, fast zwei Fünftel aller täglichen Uploads.

Branche fordert KI-Kennzeichnung

Sony fordert nun, dass Streaming-Plattformen endlich Technologien einsetzen müssen, die KI-generierte Inhalte beim Upload automatisch erkennen und kennzeichnen. Deezer hat solche Werkzeuge bereits im Einsatz und kategorisiert nach eigenen Angaben rund 34 Prozent aller eingereichten Songs als KI-generiert. "Transparenz sollte keine Option sein, sie ist das Fundament eines fairen und nachhaltigen Musik-Ökosystems", sagte Sonys Digital-Chef Kooker. Ohne klare Kennzeichnung könnten Fans nicht unterscheiden, was echte menschliche Kreativität ist und was nicht.

Auch in Europa wächst der juristische Druck. Seit dem 9. März 2026 verhandelt das Landgericht München einen Rechtsstreit zwischen der deutschen Verwertungsgesellschaft GEMA und dem US-amerikanischen KI-MusikdienstSuno. Der Vorwurf: Suno soll sein System mit urheberrechtlich geschützten Aufnahmen trainiert haben, ohne Lizenz und ohne Vergütung. Die GEMA fordert keine Verbote, sondern ein Lizenzmodell mit einer Beteiligung der Urheber:innen von 30 Prozent an Sunos Einnahmen. Eine Entscheidung wird für den 12. Juni 2026 erwartet.

Veröffentlicht in Allgemein und getaggt mit Deepfake , Deezer , GEMA , KI , Künstliche Intelligenz , News , Sony Music , Suno

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