"Zeichen gegen Clubsterben": Techno findet immer öfter in Konzerthäusern statt
Während die traditionelle Clublandschaft europaweit unter Druck gerät, erproben etablierte Kulturinstitutionen neue Möglichkeiten. Unter dem Titel "konzerthaus.nachts" öffnete sich das Wiener Konzerthaus am vergangenen Samstagabend erneut für eine "hybride Veranstaltung" aus Klassik und elektronischer Tanzmusik. Rund 1.300 Besucher nahmen teil. Das Format will den Spagat zwischen bürgerlichem Konzertritual und moderner Clubkultur versuchen.

Ein wesentlicher Aspekt des Konzepts im Konzerthaus sei die Preisgestaltung. Mit einem U30-Ticket für 22 Euro wolle man gezielt ein jüngeres Publikum ansprechen. "Das erste Event war äußerst erfolgreich und wir konnten mit einem Altersdurchschnitt von 23 Jahren wirklich sehr junge Besucher:innen erreichen, die das Wiener Konzerthaus zu diesem Anlass überhaupt zum ersten Mal und dazu noch in einem ganz besonderen Setting kennenlernen konnten", heißt es aus dem Konzerthaus.
Vom Wiener Konzerthaus in die Berliner Philharmonie
Parallelen zu dieser Entwicklung zeigten sich zeitgleich in Berlin. Dort fand am selben Wochenende das STROM-Festival in der Philharmonie statt, das unter der Leitung von Stefan Goldmann das Foyer des Scharoun-Baus als Dancefloor nutzte. Acts wie Ben Klock, Fadi Mohem und Polygonia traten auf. Das Publikum bestehe aus "Leuten wie im Berghain, aber auch Eltern mit Kindern, Achtzehnjährige und Orchestermitglieder", so Goldmann.

Ganz neu ist der Techno-Trend zur Hochkultur nicht. Das STROM-Festival findet seit 2020 in der Berliner Philharmonie statt. Alle Veranstaltungen waren bisher "restlos ausverkauft". Auch deshalb wolle man die "exzellente Akustik" des Konzerthauses weiterhin für Partys nutzen. Außerdem setze man dadurch "ein Zeichen für die Berliner Musikszene, während Clubs schließen und Festivals kämpfen", heißt es weiter.
Durch die Integration in den staatlich geförderten Kulturbetrieb erfährt die elektronische Musik eine institutionelle Aufwertung. Die Nutzung des Konzerthauses als Ausweichquartier für die Clubkultur markiert somit eine Verschiebung urbaner Freizeiträume in den Bereich der Hochkultur.
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