Zwei der einflussreichsten Institutionen für experimentelle Clubmusik bündeln ihre Kräfte. Berlin Atonal und das polnische Unsound Festival präsentieren mit "The Infinite Now" ein 30-stündiges Event, das im Kraftwerk Berlin stattfindet. Am 16. und 17. Mai 2026 soll dabei nicht nur die Musik im Fokus stehen, sondern ein völlig "neues Verständnis von sozialer Interaktion in der Clubkultur".
Die künstlerische Leitung setzt sich aus Atonal-Macher Laurens von Oswald und einem international besetzten Kuratoren-Team – bestehend aus Gosia Płysa und Mat Schulz von Unsound sowie Harry Glass von Atonal – zusammen. Kenner:innen der Avantgarde-Szene ziehen bereits Vergleiche zu "The Long Now", jenem Event, das bis 2019 fester Bestandteil des MaerzMusik-Festivals war. "The Infinite Now" greift diesen Faden auf und schafft eine "nachhaltige Umgebung, die gleichermaßen für Klang, Ruhe, Bewegung und Aufmerksamkeit geschaffen wurde", so die Organisator:innen.
Das Herzstück des Events ist ein ununterbrochenes, 30-stündiges Programm aus Live-Musik und Installationen. Über 20 Künstler:innen sollen auftreten. Wer auf dem Line-up steht, ist aber noch geheim. Das Ziel sei eine "sich ständig entwickelnde künstlerische Sphäre", in der die traditionellen Strukturen von Aufführungen durchbrochen werden, heißt es in der Ankündigung.
Eat, Sleep, Repeat!
Anders als bei klassischen Konzertformaten, bei denen das Publikum nach dem Auftritt den Saal verlässt, setzt die Verbindung von Atonal und Unsound auf totale Präsenz. Besucher:innen können das Kraftwerk als temporären Lebensraum nutzen. Man ermutigt das Publikum, vor Ort "zu schlafen, zu essen, zuzuhören, sich zurückzuziehen und wiederzukehren".
Dass gerade das Berlin Atonal und das Unsound Festival für dieses Projekt fusionieren, dürfte kein Zufall sein. Das Atonal, 1982 in West-Berlin gegründet und nach einer langen Pause im Kraftwerk wiederbelebt, gilt weltweit als Benchmark für audiovisuelle Kunst und industrielle Ästhetik. Das polnische Unsound hingegen hat sich von Krakau aus ein globales Netzwerk aufgebaut und ist bekannt dafür, musikalische Nischen – von dekonstruiertem Club-Sound bis hin zu osteuropäischer Avantgarde – aufzuspüren, bevor sie im Mainstream ankommen.
Gemeinsam bilden sie nun ein Kurator:innen-Powerhouse, das "The Infinite Now" über ein gewöhnliches Konzertwochenende hinaushebt und als "tiefgreifendes, soziokulturelles Experiment" in der Berliner Veranstaltungslandschaft positionieren will.
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