Der Kunstjetset zieht ins ehemalige Watergate an der Spree. Die Szene reagiert skeptisch. Wer den Pop-up-Einzug eines Member-Clubs eingefädelt hat, ist bis heute unklar.
Fast zwei Jahre nach dem Aus des Watergate kehrt die Location an der Oberbaumbrücke zurück. Am 30. Oktober eröffnet dort der Pariser Private-Members-Club Silencio ein Pop-up, das bis Mai 2027 laufen soll. Die Fläche ist damit zurück im Nachtbetrieb, die neuen Betreiber kommen aus der Kunstwelt.
Einen Vorgeschmack gab es bereits vor drei Wochen. Zur Eröffnung von Maurizio Cattelans Ausstellung "Night" in der Neuen Nationalgalerie lud Silencio im Rahmen des Reference Festivals zum Pre-Opening. Richie Hawtin und Ben Klock standen hinter den Decks, Valentina Magaletti spielte live. Im Club standen die betuchten Freunde der Neuen Nationalgalerie, die nach Beobachtung des GROOVE-Chefredakteurs Alexis Waltz reichlich verloren durch den entkernten Raum liefen.
Der Umbau ist radikal, aber nicht vollständig. Studio Karhard, bekannt aus dem Berghain, haben den Boden entfernt und den roten Backstein freigelegt. Neue DJ-Pulte aus Betonsteinen ersetzen die alten, das Pult des Waterfloors steht jetzt mitten im Raum, oben spielen die DJs an der Fensterfront. Bars und Toiletten sind an ihren Plätzen geblieben, das Logo an der Fassade ist schwarz übermalt.
Lynch-Design, Mitgliedsbeitrag, wechselnde Kollektive
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Silencio eröffnete 2011 in der Pariser Rue Montmartre. Den Innenausbau übernahm Regisseur David Lynch, der Name stammt aus seinem Film "Mulholland Drive". Inzwischen gibt es Ableger in New York und auf Ibiza sowie Pop-ups bei der Art Basel Miami und in Cannes. Wer dazugehören will, zahlt: tipBerlin nennt 600 bis 1.200 Euro Jahresbeitrag, der Tagesspiegel 100 Euro im Monat für die bestehenden Standorte. Für Berlin soll jedes Wochenende ein anderes Kollektiv das Programm übernehmen. Namen stehen noch aus, das Line-up soll im Oktober kommen. Ein Club sei "eine Form, die neu erfunden werden muss, nicht bewahrt", so Mitgründer Arnaud Frisch.
Das Watergate selbst hatte an Silvester 2024 nach 22 Jahren dichtgemacht, mit Verweis auf Kosten und verändertes Ausgehverhalten. Die Marke lebt als Open-Air-Reihe weiter, zuletzt mit FOUND auf dem Malzfabrik-Gelände in Tempelhof-Schöneberg. Mit der Rückkehr in die alten Räume hat Silencio nichts zu tun. Offen ist auch, wie der Einzug zustande kam: Anfang August hatte die Padovicz-Gruppe laut rbb einen "international erfolgreichen Clubbetreiber" angekündigt. Auf Nachfrage von Loop Rituals gab es damals keine Bestätigung. Ob Silencio dieser Betreiber ist, bestätigt keine der vorliegenden Quellen.
Aus der Szene kommt jedenfalls Gegenwind. Das GROOVE Magazin sieht in dem Projekt den globalen Kunst-, Film- und Pop-Jetset in einen Schutzraum der Nacht eindringen und meint, hier werde mehr Kultur zerstört als geschaffen. Silencio verweist auf den Dialog mit den kreativen Communities der Stadt. Belege für Berliner Verbindungen gibt es bislang kaum.
