Nach Hard-Techno-Skandal: Mit METOODJS entsteht ein Netzwerk gegen Missbrauch in der elektronischen Musik
Mit der Gründung von METOODJS formiert sich ein internationales Netzwerk gegen Missbrauch in der elektronischen Musik. Betroffene von sexualisierter Gewalt sollen zukünftig strukturelle Hilfe und juristische Vertretung bekommen. Auslöser für die Entstehung von METOODJS seien zwar nicht die jüngsten Ereignisse in der Hard-Techno-Szene, betont das Netzwerk. Allerdings habe sich durch die internationale Dimensiondes Skandals der Fokus "über Grenzen, Szenen und Länder" erweitert.
Was ursprünglich als lokaler Zusammenschluss in Frankreich geplant war, hat innerhalb kürzester Zeit eine globale Dimension mit über 31.000 Followern auf Instagram erreicht. Und: Über 150 Betroffene aus zahlreichen Ländern hätten sich bereits gemeldet, so METOODJS.
Die Vorfälle, die das Netzwerk dokumentiert, zeichnen ein düsteres Bild der Branche. Sie reichen von Übergriffen in Clubs und auf Festivals bis hin zu Machtmissbrauch innerhalb von Kollektiven, Agenturen und Labels.
Was METOODJS anders macht
In einer Zeit, in der Vorwürfe oft in unübersichtlichen Instagram-Stories eskalieren, setzt METOODJS auf ein anderes Konzept. Das Netzwerk versteht sich als "Safety Cordon" – ein Sicherheitsgürtel, der Betroffene auffängt, ohne sie ungefragt ins Rampenlicht zu drängen. "Wir sind überzeugt, dass konkretes Handeln nachhaltigen Wandel bewirkt", heißt es in der offiziellen Pressemeldung. Statt öffentlicher Boykottlisten setzt die Initiative deshalb auf die Vermittlung von Anwält:innen, Psycholog:innen und Suchttherapeut:innen.
Das Netzwerk arbeitet weitestgehend anonym, um sich und die Betroffenen vor Belästigung und strategischen Gegenklagen der Täter zu schützen. Auch darum gibt es bisher keine öffentliche Führungsperson. Die Kommunikation erfolgt kollektiv und oft erst nach Rücksprache mit juristischen Vertreter:innen.
Kein Ego, kein Boykott
METOODJS will sich als "professionelle Schnittstelle" zwischen den Szene-Vertreter:innen verstanden wissen. Ziel sei es, die oft "lähmende Isolation" von Betroffenen zu durchbrechen. Hierfür baut das Netzwerk eine internationale Datenbank aus investigativen Journalist:innen und Fachkräften auf, um eine ethische Weitervermittlung zu gewährleisten.
Dabei bleibt die Initiative realistisch: Die Infrastruktur müsse mit den Anforderungen wachsen. Man suche weltweit nach weiteren "Professionals", um das System tragfähig zu machen. Für die elektronische Musik könnte METOODJS ein wichtiges Awareness-Tool werden. Weg von der kurzlebigen Empörung in den sozialen Medien, hin zu einer professionellen Aufarbeitung, die den Tätern dort begegnet, wo es am meisten bewirkt – vor Gericht und durch den Entzug ihrer strukturellen Machtbasis.
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