GEMA knackt erneut die Milliarde: Rekordausschüttung trifft auf KI-Strafzahlungen
Die GEMA blickt auf ein erfolgreiches Geschäftsjahr 2025 zurück. Die deutsche Verwertungsgesellschaft hat ihren Geschäftsbericht vorgelegt und vermeldet zum fünften Mal in Folge Gesamterträge jenseits der Milliardenmarke. Mit Gesamteinnahmen von 1,34 Milliarden Euro und Ausschüttungen von 1,15 Milliarden Euro an Rechteinhaber:innen setzt die Organisation ihren Wachstumskurs fort.
Zwei Bereiche stachen 2025 besonders hervor. Die Einnahmen aus Live- und Hintergrundmusik stiegen um 5,6 Prozent auf 530 Millionen Euro, angetrieben nicht etwa von Stadionshows, sondern von kleinen und mittleren Veranstaltungen. Dank verbesserter Verarbeitungsprozesse konnte die GEMA rund 85.000 mehr kleine und mittelgroße Events abrechnen als im Vorjahr. Ein operativer Fortschritt, der den Wegfall der Sondereffekte durch die Fußball-EM 2024 nahezu kompensierte.
Auch das digitale Geschäft legte zu: Die Online-Einnahmen wuchsen um 5,7 Prozent auf 328 Millionen Euro, gestützt durch neue Vereinbarungen mit Plattformen wie Spotify und Amazon Music. Dem gegenüber stehen Rückgänge im Rundfunkbereich sowie ein drastischer Einbruch bei physischen Medien. Die Einnahmen aus dem Vervielfältigungsbereich sanken von 45,5 Millionen auf knapp über 26 Millionen Euro.
KI als Bedrohung und Chance zugleich
Das wohl meistdiskutierte Thema im Geschäftsbericht ist der Umgang mit Künstlicher Intelligenz. In ihrem Transparenzbericht stuft die GEMA die Entwicklung und Nutzung KI-generierter Musik als "hohes Risiko" für ihre Einnahmen ein — sieht darin aber gleichzeitig eine Chance. Das wegweisende Gerichtsurteil gegen OpenAI gilt intern als "hohe Chance", zusätzliche Einnahmen zu generieren und einen nachhaltigen Lizenzmarkt für die KI-Nutzung kreativer Werke zu etablieren.
Die Vorgeschichte: Die GEMA hatte OpenAI im November 2024 wegen der angeblich unlizenzierten Wiedergabe von Songtexten durch ChatGPT verklagt und im November 2025 vor dem Landgericht München Recht bekommen. CEO Dr. Tobias Holzmüller wertet das als wegweisenden Präzedenzfall. Die GEMA schaffe damit die Grundlagen für einen fairen Umgang mit kreativen Werken auch in neuen technologischen Kontexten.
Intern nutzt die GEMA KI dagegen bereits produktiv. Im Rahmen einer abgeschlossenen Cloud-Migration wurden KI-gestützte Tools eingeführt, um Bearbeitungszeiten und Ausschüttungen zu beschleunigen.
Stabilität als Ziel
Trotz solider Zahlen mahnt die GEMA zur Vorsicht. Die Wachstumsdynamik der vergangenen Jahre — mit einem Plus von 13 Prozent im Jahr 2022 und 8,4 Prozent in 2023 — hat sich spürbar verlangsamt. CFO Lorenzo Colombini gibt die Richtung für 2026 vor: finanzielle Stabilität sichern und damit bestmögliche Ausschüttungen für die Mitglieder gewährleisten. Die Frage, ob der Live-Boom anhält und wie die KI-Herausforderung langfristig bewältigt wird, bleibt dabei offen.
Mit über 100.000 Mitgliedern und Verbindungen zu mehr als zwei Millionen Rechteinhaber:innen weltweit ist die GEMA eine der größten Verwertungsgesellschaften Europas. Sie ist damit ein zentrales Bindeglied zwischen der Kreativwirtschaft und den Plattformen, Sendern und Veranstalterinnenn, die von Musik profitieren.