Chance für deutsche Musikbranche? GEMA kämpft gegen KI-Plattform

Chance für deutsche Musikbranche? GEMA kämpft gegen KI-Plattform

News. 11. März 2026 | / 5,0

Geschrieben von:
Christoph Benkeser

In München hat am 9. März 2026 ein Verfahren begonnen, das die Zukunft der Musikbranche im KI-Zeitalter maßgeblich mitgestalten könnte. Die deutsche Verwertungsgesellschaft GEMA klagt gegen den US-amerikanischen KI-Musikdienst Suno und sieht darin eine historische Chance für europäische Kreative.

Suno soll beim Training seines KI-Systems urheberrechtlich geschützte Aufnahmen weltbekannter Songs wie "Forever Young", "Mambo No. 5" und "Daddy Cool" verwendet haben. Und zwar ohne Lizenz und ohne Vergütung an die Künstler:innen. Die GEMA konnte laut eigenen Angaben nachweisen, dass Sunos System auf einfache Texteingabe hin Melodien erzeugt, die den Originalsongs "zum Verwechseln" ähnlich sind. "Wir haben einfach nur die Lyrics der Songs eingegeben", erklärt GEMA-Justiziar Dr. Kai Welp. "Wenn man das ein paar Mal macht, bekommt man die Originalaufnahmen wieder raus."

Kein Verbot, faire Vergütung

Es ist das erste Verfahren in Europa, das sich gezielt mit der Nutzung von Audioinhalten durch KI-Unternehmen befasst. Eine Entscheidung erwartet man für den 12. Juni 2026. Rückenwind erhält die GEMA dabei aus einem eigenen Vorerfolg. Im November 2025 hatte das Landgericht München in einem Parallelverfahren gegen OpenAI entschieden, dass ChatGPT geschützte Songtexte ohne Lizenz reproduziert hatte.

"Europa muss seine digitale Zukunft selbst gestalten", sagt GEMA-CEO Dr. Tobias Holzmüller. Die Botschaft richtet sich an Gesetzgeber ebenso wie an die KI-Industrie. Denn die GEMA strebe keine Verbote an, sondern ein funktionierendes Lizenzmodell. Konkret schlägt sie eine Beteiligung der Urheber:innen in Höhe von 30 Prozent an Sunos Einnahmen vor. Sunos Anwälte bezeichneten das am ersten Verhandlungstag als unrealistisch.

Wer profitiert vom Milliarden-Markt?

Für die deutsche und europäische Musikbranche steht in dem Prozess mehr auf dem Spiel als ein einzelner Rechtsstreit. Eine GEMA-Studie prognostiziert, dass bis 2028 rund 27 Prozent der Einnahmen durch KI-generierte Musik wegfallen könnten. Auf dem Musikstreamingdienst Deezer seien bereits 40 Prozent aller täglich neu hochgeladenen Tracks KI-generiert, so die Plattform Anfang des Jahres. 

Apple Music, hinter Spotify die zweitgrößte Streaming-Plattform der Welt, reagiert derweil mit einem neuenTransparenz-System. Seit März 2026 können Labels und Distributor:innen ihre Inhalte mit sogenannten "Transparency Tags" kennzeichnen. Apple will so feststellen, ob Musik, Artwork oder Musikvideos mithilfe von KI entstanden sind. Was heute noch freiwillig ist, soll künftig verpflichtend werden.

Experten mahnen zur Geduld

Im Verfahren zwischen der GEMA und Suno mahnt Prof. Josef Drexl vom Max-Planck-Institut "zur Geduld". Letztinstanzliche Entscheidungen seien erst um 2030 zu erwarten. Womöglich müsse auch der Europäische Gerichtshof eingeschaltet werden. Dennoch sieht Drexl in den aktuellen Verfahren ein "wichtiges Signal" und verweist auf eine noch grundlegendere Frage: Sollten KI-Anbieter auch dann zahlen müssen, wenn ihre Outputs nicht direkt nach bekannten Songs klingen, aber trotzdem auf menschlich geschaffenen Werken basieren? "Dann reden wir über ganz andere Dimensionen", so Drexl.

Suno selbst gibt sich trotz wachsender Rechtsstreitigkeiten selbstbewusst: Das Unternehmen vermeldete zuletzt zwei Millionen zahlende Abonnenten, 300 Millionen Dollar Jahresumsatz und eine Bewertung von 2,45 Milliarden Dollar. Der juristische Druck wächst dennoch. Neben GEMA und der dänischen Koda klagen in den USA weiterhin Sony Music und Universal Music Group gegen das Unternehmen.

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