Nach Perkons HD-01 bringt Erica Synths eine weitere Drummachine auf den Markt: Die in enger Zusammenarbeit mit der Modular-Schmiede Hexinverter entstandenen Hexdrums kombinieren analoge Klangerzeugung mit Knob-Per-Function Workflow sowie Einzelausgänge für jede der 10 Voices. Abstriche gibt es beim Sequenzer, der die heutzutage gewohnten Parameterlocks und aufnehmbaren Automationen vermissen lässt. Wie gut das Oldschool-Konzept aufgeht, erfahrt ihr im folgenden Test.
Quick Facts
- 8 voll analoge Voices von Bassdrums über Snares bis Hihats und Claps
- 2 digitale Sample-Stimmen für Crash und Ride samt Loop Funktion
- Hands On Workflow mit über 50 Reglern und 10 Kippschaltern
- Analoge Einzelausgänge für alle Spuren
- 64 Stepsequencer mit Song Mode, Accent, Ratchet und Trig Conditions
Die Verarbeitung und Haptik des HexDrums
Mit Maßen von 455 × 215 × 78 mm und 2,65 kg Gewicht ist Erica Synths Hexdrums ein ziemlicher Klopper. Vor Allem die unübliche Höhe der Drummachine fällt auf, aber Hey, irgendwo müssen die ganzen analogen Goodies ja Platz finden. Die Verarbeitung ist wie immer hervorragend und obendrein mega stylisch: schwarzes Metallgehäuse mit schwarz lackierten Holzflanken, dazu Gelbe Highlights für den Kontrast.
Apropos Kontrast: Die ebenfalls gelbe Digitalanzeige ist angenehm hell und gut lesbar. In der Regel gibt es hier aber ohnehin nur dreistellige Zahlen für Bpm, Shuffle und Co. zu sehen. Komplexere Abkürzungen und tiefgreifendes Menü-Diving finden sich zum Glück nur im Config-Bereich, den ihr primär zur Vorbereitung, nicht aber zum aktiven Musikmachen mit den Hexdrums braucht.

Knobs und Co.
Passend zum analogen Konzept der Hexdrums ist auch der Workflow ganz Oldschool via Knobs und Buttons zu bewerkstelligen. Über 50 Potis sind dafür auf das Gehäuse geschraubt, deren Haptik zwar nicht per se schlecht ist, aber für Erica Synths Verhältnisse beinahe langweilig daherkommt.
Hier könnte es in schummrigen Clubs auch zu Orientierungsproblemen kommen, weil es keinerlei Beleuchtung gibt und sich nur die Pitch- und Level-Regler durch graue bzw. weiße Farbgebung vom Rest der Bedienelemente abheben. Wer größere Hände hat, wünscht sich außerdem etwas mehr Abstand zwischen den Potis.
Die Kippschalter sind meiner Meinung nach das schwächste Glied in der ansonsten gelungenen Verarbeitungskette der Hexdrums, weil sich die schwarzen Kappen drehen lassen. Abschrauben geht zum Glück nicht, aber es fühlt sich einfach seltsam an, dass die Schaltergriffe nicht richtig fest sind. Was die Langlebigkeit angeht, mache ich mir bei Erica Synths aber keine Sorgen.
Anschlüsse und Lieferumfang
Die Rückseitigen Anschlüsse bestehen aus Master Out, verteilt auf Left und Right sowie Headphones, Clock In und Clock Out. Hinzu kommen MIDI-In und -Out nach fünf-pol-DIN, ein USB-A-Slot für Firmware Updates, Sample Upload, Memory Backup und alternative MIDI-Kontrolle sowie der 18 Volt DC-In für das mitgelieferte Netzteil. Erica Synths und Hexinverter dabei setzen vorwiegend 6,35 mm Klinkenstecker, die bombenfest zupacken.
Eine der größten Stärken der Hexdrums ist, dass es für jedes der zehn Instrumente einen Einzelausgang gibt. Hinzu kommt ein Reset-In, der Trigger-Signale erkennt, um Patterns zu resetten. Im Lieferumfang befinden sich noch eine ausgedruckte Version der Anleitung, die es als digitale Alternative auch Online gibt sowie 16 Papp-Schablonen, die ihr auf die Oberfläche legen könnt, um eure Settings zu verewigen – sozusagen als analoge Preset-Speicher.
Der Sequencer im Überblick
Mit 64 Steps zählt der Sequenzer der Hexdrums in Sachen Maximallänge zum soliden Mittelfeld. Was Erica Synths und Hexinverter schön umgesetzt haben ist, dass es für jeden der vier resultierenden Takte einen eigenen Page-Taster gibt, was in der Praxis deutlich angenehmer ist, als die sonst übliche Scroll-Funktion. Außerdem darf jedes Instrument der Hexdrums eine individuelle Sequenzerlänge und sogar eigene Shuffle Values haben.
Die Noteneingabe geschieht wie gewohnt per Lauflichtprogrammierung oder in Echtzeit via Step-Tap-Funktion. Die Step Buttons selbst bestechen durch Vintage Feeling in Form von herrlich klapprigen Keyboard-Tasten im TR-X0X-Stil und sind farblich in Vierergruppen aufgeteilt, was die Orientierung innerhalb der Takte enorm erleichtert. Stolze 136 Patterns können außerdem gespeichert und via Song-Modus verkettet werden.
Alles muss man selber machen
Velocity oder gar Aftertouch gibt es nicht, das sind wir aber von Elektron Gear mit ähnlicher Haptik gewohnt. Ganz wichtig bei den Hexdrums: Es gibt keine Automationen oder LFOs – ich wiederhole – keine Automationen oder LFOs! Das bedeutet, sämtliche Bewegung im Sounddesign muss manuell vorgenommen werden, was angesichts der vielen Potis schnell die Kapazitäten von zwei Händen ausschöpft.
Dadurch ergibt sich ein spezieller, Workflow-bedingter Sound: Mit Hexdrums lernt ihr, eure Reglerbewegungen so in die Performance einzubetten, dass Parts mit viel Movement früher später wieder auf einem Setting bleiben müssen, ohne dass es awkward wird. (Es sei denn, ihr wollt den ganzen Song lang beispielsweise den Filter Cutoff der Snare bedienen und schafft alles andere mit der übrigen Hand.)
Performance Features
Ein paar Performance-Helfer gibt es aber trotzdem. Allen voran die Accent Funktion, mit der ihr zumindest die Lautstärke pro Step variieren könnt. Hier direkt der nächste Bummer: Es gibt keinen Zugriff auf die Accent-Lautstärke. Via Menü könnt ihr lediglich die Reihenfolge justieren, in der die Akzente eingegeben werden (also entweder Akzent, Normal, Off oder Normal, Akzent, Off bei wiederholtem Drücken der Step-Taster).
Ein weiteres Problem findet sich bei der entsprechenden Step-Beleuchtung. Eigentlich sind akzentuierte Steps stärker beleuchtet als normale, aber dieser Unterschied fällt meiner Meinung nach kaum auf. Hier wäre eine andere Farbe – zB Rot für Akzente – deutlich praktischer gewesen.
Weiter geht’s mit Ratchets und Microtiming, wobei Ratchets bis zu acht Retrigs pro Step erlauben und ihr beim Microtiming maximal 50% Verschiebung programmieren könnt. Mein Sequenzer-Highlight ist, dass Erica Synths nicht nur prozentuale Probability, sondern auch gezielte Trig Conditions aka ODDS implementiert haben. In erster Linie von Elektron Gear bekannt, habe ich das Feature zuletzt bei Perkons gesehen.
Eigene Samples via USB-Import?
Über den USB-A-Slot könnt ihr sogar eigene Samples auf die Hexdrums Cymbal Voices laden. Die Voraussetzungen sind Mono .wav-Dateien bei 48 kHz und 16 bit. Über die maximal erlaubte Sample-Länge geben Erica Synths leider keine Auskunft. Im Laufe des Tests konnte ich bis zu 3,94 MB importieren, egal ob in Form mehrerer kleiner Samples oder einer langen Aufnahme.
In der Praxis ist die analoge Hüllkurve der Cymbal Voices jedoch das Bottleneck, weil diese auch lange Samples nach wenigen Sekunden verstummen lässt. Am Ende kommt ihr mit rund zwei Sekunden pro Sample gut hin. Ich empfehle Synth Stabs, Open Hats im 909 Stil und 808 Cowbells als Ergänzung zum Hexdrums Arsenal.
Klang: Master Compressor und Drive
Wer Drummachines mit integrierten Effekten bevorzugt, muss bei den Hexdrums mit Kompression und Overdrive auskommen. Beide sind Master-FX, was bedeutet, dass alle Voices, die ihr per Einzelausgang abzieht, nicht mehr effektiert werden. Beim Overdrive ist das ein ziemlicher Vorteil. Trotz Blend-Regler wirds einfach schnell zu wild, wenn wirklich alles in den Drive geht..
Der Soft-Knee-Kompressor bietet mit Reglern für Threshold, Ratio, Blend und Make-Up-Gain sowie Dreiwegeschalter für verschiedene Attack-Times jede Menge Zugriff. Es gibt zwar kein dediziertes Sidechain Feature, der Kompressor kann aber ohne ordentlich pumpen und macht einfach Spaß. Im Gegensatz zum Drive habe ich um jede Voice getrauert, die wegen der Nutzung des Einzelausgangs nicht mehr in den Genuss des Kompressors kam.
Voices und Sound
Wer den Master Overdrive gesehen hat, kann sich denken, dass Hexdrums die härtere Gangart bevorzugen. Dystopische Industrial Sounds ergeben sich über die verschiedenen Noise Generatoren (Snare, Machine und Clap) fast wie von selbst und bestechen mit herrlichen Texturen von White Noise bis Bitcrush. Selbst die Cymbal Voices eskalieren bei tiefen Tunings in musikalisch-kaputtes Gebritzel. Bassdrum 1 ist die Kirsche auf der brachialen Sahnetorte, weil diese mit Squarewave-Sub- und -Main-Oszillator (optional via Kippschalter) bestens für Hardstyle Kicks geeignet ist.
Kein Gabber-Fan? Kein Problem! BD2, Snare, Hihats und Rimshot sind authentische Repliken klassischer 808-Sounds mit extra Sounddesign-Features On Top. Machine verwischt die Grenzen zwischen Drums und duophonen Synths-Sounds, während die Sample-basierten Cymbal-Voices die klanglichen Lücken füllen. Lediglich die Hihats sind etwas langweilig, aber das ist Meckern auf höchstem Niveau – ich bin insgesamt geflasht!
Alternativen
Fazit
Erica Synths und Hexinverter haben mit den Hexdrums unfassbar gute, vorwiegend analoge Sounds mit reichlich Sounddesign Features und Knob-per-Function-Workflow kombiniert. Selbst wenn die Klangerzeugung gerne für härtere Stile verwendet werden möchte (looking at you, Master Overdrive), gehen auch ruhigere Sounds problemlos von der Hand.
Von Industrial über Techno bis hin zu Hip Hop und House lässt sich das schwarzgelbe Zauberkistchen nicht nur für klassische 808 und 909 Sounds verwenden, sondern liefert jede Menge Charakter, der über den altbekannten Tellerrand hinausführt. Wenn der klanglichen Palette dann noch etwas fehlt, schaffen die Sample-Voices Abhilfe.
Eine uneingeschränkte Empfehlung sind die Hexdrums aber doch nicht wert, weil das dürftige Utility-Paket für manche Anwendungsbereiche zum Dealbreaker werden könnte. Keine Soundpresets und fehlende Automationen machen die Drummachine im Livekontext zum probeintensiven APM-Fresser.
Im Studio ist das Problem weniger verheerend, weil eben nicht alles in Echtzeit passieren muss. Wer sich auf die Einschränkungen einlassen kann und eine Drummachine sucht, die sich wie ein Instrument anfühlt, sollte definitiv zuschlagen.
Pro
Erstklassiger analog Sound
Flexibles Routing via Einzelausgänge
nützliche Sample-Voices mit Import-Option
Hands-On-Workflow
Solider Sequenzer mit Trig Conditions
Hochwertige Compression-/Distortion-FX
Kontra
keine Parameterlocks, Automationen oder Soundpresets
kein Zugriff auf die Accent-Lautstärke
Preis:
1.399.-€
Weitere Informationen gibt es auf der Website von Erica Synths.
0 Kommentare zu "Erica Synths x Hexinverter - HexDrums im Test"