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Durchbruch bei Tinnitus-Forschung: Warum das unheilbare Club-Trauma endlich greifbare Heilungschancen bekommt
Foto von Usman Yousaf auf Unsplash

Durchbruch bei Tinnitus-Forschung: Warum das unheilbare Club-Trauma endlich greifbare Heilungschancen bekommt

News. 8. Oktober 2026 | 5,0 / 5,0

Geschrieben von:
Christoph Gleich

Wer feiern geht, kennt es: das Pfeifen im Ohr danach. Bisher ließ sich Tinnitus nur über die Aussagen von Betroffenen feststellen. Das könnte sich aber bald ändern.

Das Pfeifen im Ohr nach einer Nacht im Club kann kein Arzt messen. Genau das ist das Problem der Tinnitusmedizin. Ob und wie stark jemand leidet, steht bislang fast nur in den Schilderungen der Betroffenen. Zwei Studien liefern nun einen ersten objektiven Hinweis – und zwar im Blut.

Im Innenohr sitzen winzige Hörzellen, die Schall verstärken. In ihnen steckt ein Eiweiß namens Prestin, das es nur dort gibt. Der HNO-Arzt Kourosh Parham vermutet, dass bei Problemen im Ohr etwas davon ins Blut gelangt. Seine Teams haben es gemessen und bei Menschen mit dauerhaftem Tinnitus deutlich mehr davon gefunden als bei Menschen ohne.

In der ersten Studie waren es 89 Personen, davon 49 mit Tinnitus. In der zweiten wurden 82 Personen untersucht, die Hälfte mit Tinnitus. Dort schauten die Forschenden zusätzlich auf drei weitere Eiweiße aus dem Innenohr. Nur Prestin zeigte einen Unterschied. Das blieb auch so, nachdem sie Alter, Hörvermögen und die tägliche Lärmbelastung der Teilnehmenden herausgerechnet hatten. Es lag also nicht einfach daran, dass die Betroffenen älter waren oder schlechter hörten.

Kann Tinnitus endlich gemessen werden?

Einen Bluttest für die Hausarztpraxis gibt es damit nicht, und geheilt wird auch noch niemand. Für beides sind die Gruppen zu klein, die Forschenden wollen die Ergebnisse mit mehr Teilnehmenden überprüfen. Eine aktuelle Übersichtsarbeit kommt zudem zu dem Schluss, dass bislang kein einzelner Messwert Tinnitus verlässlich nachweisen kann. Trotzdem ist der Fund wertvoll. Wer eine Krankheit messen kann, kann auch prüfen, ob eine Behandlung wirkt. Parham hofft, dass daraus Ansätze für Therapien entstehen.

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Das dürften gute Neuigkeiten für die Clubszene sein. Schließlich geben vier von fünf Clubgänger:innen an, nach einer Nacht schon mal vorübergehendes Ohrensausen gehabt zu haben, so eine Studie des britischen Hörgeschädigtenverbands RNID. Drei Viertel kannten das Risiko bleibender Schäden, 35 Prozent wollten trotzdem keinen Gehörschutz tragen. Doch: Ab etwa 85 Dezibel, so laut wie ein Standmixer, kann das Gehör Schaden nehmen. Bei über 100 Dezibel, in Clubs und auf Festivals üblich, reichen laut RNID schon 15 Minuten.

Dass Tinnitus auch Profis trifft, ist bekannt. Thomas Bangalter von Daft Punk, Richie Hawtin und Carl Craig haben öffentlich über das Pfeifen gesprochen. Moby und Deadmau5 haben ebenfalls über die Gefahren gewarnt. Und: Beim Gehörschutz sind EDM-Fans mittlerweile vorn. Rund zwei Drittel aller EDM-Hörer:innen verwende bei Konzerten Gehörschutz, ergab eine Studie von 2025. Bei anderen Genres sind es etwa die Hälfte.

Foto von Usman Yousaf auf Unsplash

Veröffentlicht in News und getaggt mit Biomarker , Clubkultur , Elektronische Musik , Forschung , Gehörschäden , Gehörschutz , Hörgesundheit , Lärm , News , Prestin , Studie , Tinnitus

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