Nachdem wir im letzten Artikel ausgecheckt haben, was es für spannende DAW-less-Setups unterhalb der 1000-Euro-Grenze gibt, schauen wir heute über den monetären Tellerrand: Schritt für Schritt erweitern wir die Hardware-Konfiguration und finden heraus, ob es sich lohnt, mehr Geld zu investieren. 2000 Euro sind das neue Limit, wodurch sich deutlich mehr Möglichkeiten ergeben, als bisher. Hier sind meine Top Picks, wenn es um vielseitiges und inspirierendes Gear ohne Computer geht.
Quick Facts
- Inspirierende Einschränkung VS Decision Paralysis und Option Overload
- DAW-less-Performances sind ansprechender für Crowd und Artist
- Weniger ist Mehr: lernt, das Maximum aus Eurem Gear rauszuholen
- Tastatur und Maus fühlen sich nicht nach Musikmachen an
- Screentime reduzieren ist gesund
Auf ins Getümmel: Midrange Synths
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Die einfachste und vermutlich preiswerteste Möglichkeit, euer DAW-less-Setup aufzuwerten, ist, beim Novation Circuit zu bleiben und hochwertigeres Gear hinzuzufügen. Wenn fürs gesamte Setup mehr als 1000 Euro Budget drin sind, gibt es nämlich viele spannende Optionen: Der meiner Meinung nach umfangreichste Synthesizer in der preislichen Midrange ist Arturias Minifreak. Dieser bietet alle erdenklichen Synthesemöglichkeiten, Platz für 512 Presets und drei FX-Slots. Die umfassende Mod-Matrix und der einzigartige LFO-Shaper sorgen für noch mehr Sounddesign-Optionen.
Der gravierendste Nachteil vom Minifreak – abgesehen vom relativ stolzen Preis von 517 Euro – ist die ausladende Größe. Wer auf die Klaviatur verzichten kann und lieber analoges Gear will, kann Dreadbox Hades und/oder Typhon auschecken. Hades ist mit 299 Euro günstiger und ein absolut unterbewerteter Basssynthesizer. Typhon kostet zwar 100 Euro mehr, ist aber klanglich etwas flexibler, kommt mit eigenem Sequenzer und 12 Effekten. Wer analog mit Keys sucht, wird beim Behringer Deepmind6 fündig. Ähnlich wie Minifreak punktet Deepmind mit jeder Menge Funktionsumfang, ist im direkten Vergleich aber nicht ganz so vielseitig.
MIDI-Controller
Das Thema MIDI-Controller wurde im letzten Artikel nur beiläufig erwähnt, macht bei Instrumenten mit unschöner Haptik (zB Volca-Folientastatur) oder Synths ohne Eingabe-Mechanik (Dreadbox Hades und Typhon) aber durchaus Sinn. Weil die Bedienbarkeit über die Macro-Knobs des Circuit eigentlich ganz gut funktioniert, würde ich eher auf mehr Klaviertasten setzen, als extra Regler, Buttons und Co. 3-oktavige Keyboards, wie Arturia Keystep 37 sind für 166 Euro ein guter Kompromiss aus Portability und Spielfreude. Wer mit zwei Oktaven auskommt, sich aber mehr Bedienelemente wünscht, wird mit den Fadern, Potis und Pads vom Minilab 3 glücklich.
Setup 1: Analoges Preis-/Leistungswunder
Um die Obergrenze unseres neuen Budgets nicht direkt auszureizen, lassen wir es mit dem ersten Setup etwas ruhiger angehen - zumindest finanziell. Ausgehend von den MIDI-Tracks unseres trusty Circuit werden die Dreadbox Synths sequenziert und wie gehabt an den Audioeingängen der Groovebox summiert. Für ein bisschen Modular-Feeling und um das Maximum aus dem Hades Basssynth rauszukitzeln, gibt es eine Handvoll Patchkabel dazu. Über den MIDI-Out des Circuit bzw. dessen Macro Knobs können übrigens auch die Effekte des Typhon gesteuert werden, wenn ihr euch ein passendes CC-Mapping baut!
3x Patchkabel 0,5m / 2x Patchkabel 18cm
Summe: 1221,60 Euro
Für ein besseres Spielgefühl bei der Noteneingabe habe ich Keystep 37 hinzugefügt, dessen MIDI-Out an den MIDI-In des Circuit geht. Das coole bei den Keystep-Controllern ist, dass sich der MIDI-Channel super schnell über die Kombination aus Shift und einer der Klaviertasten umstellen lässt – ideal für die Steuerung mehrerer Instrumente im Live-Kontext. Der einfachste Weg ist, den Circuit als Clock Master zu wählen und Keystep 37 nur für Note- und CC-Befehle zu nutzen. Wer unbedingt den Arp oder Sequenzer des Keystep braucht, kann aber auch eins der Modular Patchkabel nehmen und den Sync Out des Circuit mit dem Sync In des Keyboards verbinden.
Know your Limits 2.0
Grooveboxes haben als Centerpiece eures DAW-less-Setups eine Menge Verantwortung und werden schnell zum Nadelöhr in Sachen Funktionsumfang. Der Sequenzer spielt eine besonders große Rolle, weil dieser in den meisten Fällen alle beteiligten Instrumente steuert. Beispielsweise könnte der Novation Circuit Tracks mit 32 Steps Sequencer-Länge auf Dauer ungeeignet sein. Wenn ihr längere Patterns bauen und euch die Workarounds mit Pattern Chaining und Co. ersparen wollt, lohnt sich ein Upgrade, allerdings ist der Preissprung hier recht hoch.
Teurere Instrumente, wie Elektron Digitakt, Digitone oder Syntakt schaffen mit bis zu 128 Steps Abhilfe und haben viele nützliche Features parat, mit denen ihr eure Hardware Konfiguration verbessern könnt. Neben der Sequencer-Ausstattung ist natürlich die Anzahl der MIDI-Tracks wichtig, weil diese bestimmt, wie viele Geräte eure Schaltzentrale steuern kann. Wieder sind die Elektron Digis ein klares Upgrade zur Low-Budget-Variante von Novation und erlauben bis zu 16 MIDI-Tracks (12 beim Syntakt), mit denen ihr externes Gear anfahren könnt.
Setup 2: Doppel-Digi
Bereits vor der Neuauflage in Form von Digitakt und Digitone II galt die Kombination aus zwei der Elektrons als DAW-less-Wunder: Plug and Play Kompatibilität, sich gegenseitig ergänzende Klangerzeugung und einer der besten Hardware-Sequenzer im Doppelpack sprechen für sich. Im Vergleich zu den OG-Digis punkten die MK-2-Varianten mit mehr Audiotracks, mehr Sequenzer-Steps, mehr FX und mehr Utility. Allerdings kosten sie jeweils knapp 1000 Euro, was unser Budget praktisch ausschöpft.
2x Patchkabel 18cm
Summe: 1931,10 Euro
Wer weniger Bedarf an FM-Synthese hat, kann Digitone durch Syntakt ersetzen. Der kostet zwar 30 Euro mehr und hat nur 12 Tracks, bietet dafür aber vier analoge Spuren, analogen Overdrive und analoge Filter. Allerdings ist Syntakt im Vergleich zur 16-stimmigen Polyphonie des Digitone II eher auf monophone Drums und Bässe ausgelegt. Es gibt zwar eine Chord Machine, diese erzeugt ihre Mehrstimmigkeit aber über auswählbare Chord-Presets – wer polyphon spielen will, bleibt lieber beim Digitone (seit mk 2 kann der nämlich auch ein bisschen Wavetable).
Setup 3: Digi +X
Das Doppel-Digi-Setup ist preislich ein ziemlicher Klopper, auch wenn die gebotenen Features ihr Geld durchaus wert sind. Wer für so viel Geld lieber mehr als zwei Einzelgeräte haben möchte, kann auch das erste Setup nehmen und den Circuit zum Beispiel durch Digitakt 2 ersetzen.
3x Patchkabel 0,5m / 2x Patchkabel 18cm
Summe: 1845,60 Euro
Allein die Kombination aus Elektron Digi und MIDI-Keyboard deckt jede Menge Workflows ab, weil sie die Große Schwäche der Elektrons – melodisch/harmonisches Spiel – effektiv ausgleicht. So habt ihr eine ideale Grundlage und müsst euch erstmal keine Sorgen machen, aus eurer Groovebox herauszuwachsen.
What about FX?

Effektgeräte sinnvoll ins DAW-less-Setup zu integrieren, ist leider relativ kompliziert. Das Problem ist, dass wir für den DAW-typischen FX-Send-Workflow ein Hardware Mischpult bräuchten, an dessen Aux-Wege wir etwaige Effektgeräte kabeln. Highend Effekte wie Strymon Timeline oder Bigsky liegen zusammen bereits bei knapp 1000 Euro. Selbst günstigere und damit weniger vielseitige Alternativen, wie UAFX Galaxy 74 drücken ordentlich aufs Budget, weshalb ich eher auf die integrierten Effekte der hier empfohlenen Synths und Co. setze – bis jetzt!
Als Alternative zum Mixer-Workflow könnt ihr Multieffektgeräte, wie Analog Heat+fx als Master-Effekt nutzen. Dank der vielen Regler bietet dieser reichlich haptische Kontrolle und ist mit diversen Dry/Wet-Parametern erstaunlich gut zu zähmen. Die verschiedenen Filter, Distortions und Tape Emulationen sind absolut vibey und ein inspirierender Einfluss, gerade wenn sie auf die Summe eurer Sounds einwirken. Meiner Meinung nach sollte die Priorität aber erstmal auf den Klangerzeugern eures Setups liegen.
Fazit/Ausblick
Weil die Vielseitigkeit der Instrumente in der Regel mit dem Preis zunimmt, habe ich in diesem Artikel weniger Genre-orienterte Empfehlungen gegeben als zuletzt. Klar ist, dass bei steigendem musikalischen Anspruch kein Weg daran vorbei führt, mehr Geld ins Gear zu investieren. Egal ob Digitakt, Digitone oder Syntakt, die Elektrons sind ein massives Upgrade im Vergleich zum Circuit Tracks und eine Investition für die Zukunft, weil sie bis in den absoluten Highend-Bereich nützlich bleiben.