Seit dem Erscheinen des kompakten MIDI-Controllers AKAI MPK Mini MK3 im August 2020 hat sich auf dem Markt für erschwingliche Masterkeyboards bis 25 Tasten einiges getan. Mit der Neuauflage MPK Mini IV wollen AKAI beweisen, dass sie trotz Konkurrenz immer noch in der Lage sind, Top-Seller im Budget-Bereich zu vermarkten. Scheinbar mit Erfolg, denn bei Thomann kletterte der kleine Controller innerhalb kürzester Zeit auf Verkaufsrang 3 – Zeit für einen ausführlichen Test.
Quick Facts
- 25 anschlagdynamische Minitasten (größer als bei MPK mini mk3)
- physische Pitch- und Modulationsräder
- 8 anschlagsdynamische RGB-Pads mit Aftertouch und zwei Bänken
- 8 Endlos-Encoder und Data Dial samt 3-Zeilen-Mini-Display
- inklusive Ableton Live Lite 12 und Studio Instrument Collection mit über 1000 Presets
MK IV: Überarbeitetes Keybed
Mit Maßen von 347,5 × 192 × 45,7 mm und 1,05 kg Gewicht ist AKAIs MPK Mini IV etwas ausladender als der Vorgänger. Das liegt vor allem an den größeren, anschlagdynamischen Minitasten, die mit ca. 90 × 20 mm spürbar mehr Platz bieten. Zum Vergleich: Die Keys von MPK Mini IV sind ziemlich genau so groß wie beim Minilab 2 von Arturia und deutlich länger als beim Novation Launchkey 4 oder MPK Mini mk3. Leider haben AKAI immer noch kein Aftertouch implementiert – das gibt es nach wie vor nur bei Launchkey oder Keystep. Was das Spielgefühl jenseits der Tastengröße betrifft, ist das Keybed vom MPK Mini IV ziemlicher Standard und vergleichbar mit Keystep und Co.
Knobs und Pads
Während die Klaviatur größer wurde, haben sich die Knobs verkleinert. Bei den acht Endlos-Encodern ist das aber durchaus von Vorteil, weil jetzt mehr Platz zwischen den Reglern ist, sodass bei größeren Händen nicht mehr versehentlich mehrere Potis gleichzeitig bedient werden. Für ein Gerät dieser Preisklasse fühlen sich die Regler erstaunlich hochwertig an und punkten mit gutem Drehwiderstand für präzises Handling. Der neue Data Encoder kommt mit Rasterung und Druckfunktion und ist primär für die Navigation durch die verschiedenen Menüs zuständig.
Die RGB-Pads sind ebenfalls kleiner geworden (mit 20 × 20 mm liegen sie zwischen Launchkey und Minilab), was eher aus Platzgründen zu rechtfertigen ist. Die Pads sind Velocity-empfindlich und bieten im Kontrast zu den Keys polyphonen Aftertouch, was ideal für dynamische Note Repeats ist. Außerdem bieten diese mit Note-, CC- und Program-Change-Optionen viele Anwendungsmöglichkeiten. Mittels dediziertem Bank-Taster können effektiv 16 Pad-Zuweisungen realisiert werden. Das harte Spielgefühl erinnert an moderne MPCs und Co. Wer es weicher mag, sollte zur Launchkey-Serie greifen.
Physische Wheels
Eine der wichtigsten Neuerungen des MPK Mini IV ist, dass AKAI den Joystick des Vorgängers durch physische Mod- und Pitchwheels ersetzt haben. Auch wenn der Joystick via X/Y-Mapping mehrere Parameter gleichzeitig steuern konnte, eignete dieser sich eher für momentane Modulation, weil der Knüppel immer zurück zur MIttelposition flitscht. Wer darauf steht, kann das Pitchwheel nach Belieben Routen, alternativ kann das Modwheel dank festem Regelweg zielsicher in der aktuellen Position verbleiben.
Die physischen Räder sind im Vergleich zu den sonst gängigen Touchstrip exklusiv für MPK Mini IV und ein haptischer Segen, allerdings sind sie mit ca. 42 × 8 mm deutlich kleiner als die Pendants größerer Keyboards. Das ist für die Bedienung zwar eher irrelevant, lässt MPK Mini IV auf Fotos aber deutlich größer aussehen, als in Wahrheit. Apropos Aussehen: AKAIs neues Design mit der grauen Färbung erinnert an alte MPCs und sieht einfach nur cool aus. Die schwarze Alternative hat deutlich weniger Charakter.
Anschlüsse und Lieferumfang
Die Anschlusssektion von AKAI MPK Mini IV befindet sich wie immer auf der Rückseite des Gehäuses und besteht aus einem USB-C-Slot für MIDI- und Stromversorgung, einem 6,35 mm Klinkeneingang für ein Sustainpedal sowie einem MIDI-Out nach fünfpol-DIN. Letzterer ist eine willkommene Neuerung im Vergleich zu MPK Mini mk3 und ideal für die integration in komplexere Hardware Setups. Im Lieferumfang sind ein USB-C-Kabel mit Winkelstecker und 150 cm Länge sowie ein Quickstart Guide samt QR-Code zur Produktregistrierung und dem Download zugehöriger Software enthalten.

Studio Instrument Collection und Co.
Erstmals kommt der neue MIDI-Controller von AKAI mit eigenem Software Bundle in Form der Studio Instrument Collection und schließt so die Lücke zu Launchkey und Minilab, die bereits seit Jahren Komplete Select Bundles im Gepäck haben. Dass für den Download der ca. 10 GB großen Studio Instrument Collection der MPK Mini IV eine Produktregistrierung notwendig ist, finde ich nachvollziehbar. Warum ohne jene Registrierung keine Firmware Updates möglich sind, erschließt sich mir jedoch nicht – nervig!
Das Software-Paket selbst besteht aus einer gelungenen Mischung aus AKAI- und AIR-Plugins, die wir schon von größeren MPCs kennen, sowie ein paar Moog-Kreationen und kommt insgesamt auf über 1000 verschiedene Presets. Sämtliche Plugins sind fertig auf die Bedienelemente von MPK Mini IV gemappt und lassen sich direkt über den Controller bedienen. Allerdings wirklich nur in Form der verfügbaren Presets, wer eigene Patches bauen will, muss die Plugins kaufen. Cool ist wiederum, dass AKAI zwei Monate Splice-Zugang, Ableton Live Lite 12 und 60 Gratis Lessons via Melodics spendieren.

Arpeggiator Features: Die Basics
Arpeggiator sind als verhältnismäßig altes Performance Tool oft überschaubar gehalten und unterscheiden sich primär in Sachen Play Patterns und Octave Range. MPK Mini IV hat aber einige spannende Innovationen im Gepäck, die wir uns natürlich genauer anschauen wollen. Doch zuerst die Basics: Als Subdivisions sind von Viertelnoten bis zu 32teln samt triolischen Varianten die üblichen Verdächtigen vertreten.
Bei den Laufrichtungen gibt es Up, Down, Order, Random, Excluding und Including. Die letzten beiden sind Up and Down Typen, bei denen die jeweils letzte Note vorm Richtungswechsel entweder mitgespielt oder ausgelassen wird – leider fehlt Down Up! Dafür beträgt die Reichweite stolze vier Oktaven und via Swing von 50% bis 75% werden die Arpeggios extra groovy.
Arpeggiator Features: Mutate und Pattern
Was den Arpeggiator des MPK Mini IV aber so interessant macht, sind die neuen Mutate und Pattern Features. Mittels Mutate lassen sich zu einem beliebigen Prozentsatz Oktavsprünge generieren. Zusammen mit dem Random-Faktor, der zufällige, Arpeggio-fremde Töne beisteuert, könnt ihr eure Patterns also angenehm verselbstständigen und behaltet dank der Prozentsteuerung ein Mindestmaß an Kontrolle.
Apropos Pattern: Unabhängig von der Note Lane lassen sich via Pattern Mode Akzente, Pausen, Sustain und Ratchet Notes programmieren. Die Eingabe geschieht per Data-Dial und Display in tandem mit den RGB-Pads. Besonders cool ist, dass die Pattern-Länge unabhängig von der Arpeggio-Länge justierbar ist (8 oder 16 Steps) und bis zu 16 Patterns im MPK Mini IV abgespeichert werden können.
Plug and Play: Ableton Integration
Um ultimative Compatibility zu gewährleisten, haben AKAI dedizierte MIDI-Scripts für Ableton Live, FL Studio, Cubase, Logic Pro und Bitwig integriert. Die jeweiligen Dokumente müssen zwar erst bei AKAI heruntergeladen werden, aber dann könnt ihr direkt loslegen. Bei Ableton gibt es naheliegende Features wie Play, Stop und Record via Transport Buttons, aber auch Metronom Steuerung, Tap Tempo, Undo bzw. Redo sowie On/Off Toggle für Automationen, alles direkt über die Funktionstaster von MPK Mini IV erreichbar. Hinzu kommen clevere Shortcuts für Mix Controls oder die Steuerung der Session View.
Mittels Data Dial und +/- Buttons könnt ihr durch Project Tracks scrollen, wobei im Farbdisplay die jeweilige Kolorierung aus eurem Projekt übernommen wird, genau so wie die Track-Benennung. In der zweiten Zeile des Screens ist das erste Plugin Device des Tracks aufgeführt, durch welche sich nach kurzer Betätigung des Data Dials ebenfalls blättern lässt. Beim Bewegen der automatisch belegten Encoder zeigt das Display die jeweilige Parameterbezeichnung und den aktuell eingestellten Wert an, während Shift und +/- durch die Bänke scrollt, falls ein Device mal mehr als acht Parameter bietet.
Alternativen
Fazit
AKAI MPK Mini IV ist ein für die Preisklasse hochwertiger MIDI-Controller inklusive umfangreichem Software Paket. Die Mischung aus Ableton Live Lite 12 und Melodics Test-Abo adressieren sich primär an Neuzugänge der elektronischen Musikmachszene, die mit dem Kauf von AKAIs neuestem Masterkeyboard für gut hundert Euro den idealen Einstieg finden – an dieser Stelle ein echter Nobrainer. Darüber hinaus sind die AKAI, AIR und Moog Plugins durchaus brauchbar und nice to have.
Als Alleinstellungsmerkmal zur Konkurrenz von Novation, Arturia und Co. sind aber vor allem die physischen Mod- und Pitchwheels zu nennen. Diese gibt es sonst nämlich nur als schnöde Touchstrips. Die übrigen Bedienelemente sind in Sachen Funktionalität und Haptik zwar super, aber nicht wirklich besser als bei vergleichbaren Controllern. Wer mehr als acht Pads, physische Fader oder polyphonen Aftertouch bei den Keys will, muss woanders weitersuchen, für alle anderen gilt eine klare Empfehlung zu AKAI MPK Mini IV.
Pro
Erstklassiges Preis-/Leistungsverhältnis
größeres Keybed
physische Wheels statt Touchstrips
verbesserte Pad-Ansprache
vielseitiger Arpeggiator
zusätzlicher, großer MIDI-Ausgang
umfangreiches Software Bundle
Kontra
Immer noch kein Aftertouch beim Keybed
Preis:
109.-€
0 Kommentare zu "AKAI MPK Mini IV im Test - kleine Änderungen, große Wirkung?"