AKAI MPC XL im Test: Ist das wirklich die beste MPC, die Akai je gebaut hat?
AKAI Pro veröffentlichen nach der überaus gelungenen MPC Live III das nächste Mitglied der neuen MPC-Generation: MPC XL – der Name ist Programm – bringt AKAIs Flaggschiff MPC X mit überarbeiteter Hardware und MPC3 OS auf den aktuellsten Stand. Mehr Leistung, mehr Bedienelemente, mehr MPC? Dieser Test prüft, ob die bisher größte MPC ihr Geld wert ist!
Quick Facts
- 8-Core Prozessor, 16 GB Ram, 256 GB interner Speicher
- 32 Plug-In-Instrumente, 16 Audiotracks, 16 MIDI-Tracks, 256 stimmig Polyphon
- Hands On Control via 16 Q-Link-Knobs, 16 MPCe Pads und Touchstrip
- Anwinkelbares 10.1” Display mit Multi-Touch
- Üppiges I/O von CV bis Phono mit Echtzeit Pegelanzeigen
Verarbeitung und Lieferumfang
MPC XL wiegt 7,2 kg und misst überwältigende 488 × 543 × 94 mm. Je nach Schreibtisch kann es also eng werden, besonders wenn sich Keyboard, Maus und Bildschirme dazugesellen. Checkt also unbedingt vorher ab, ob die neue Music Production Station in euer Studio passt – wegen der knapp 10 cm Höhe musste ich zum Beispiel meine Sitzhöhe ändern, um einen optimalen Überblick zu gewährleisten!
Die Verarbeitung ist absolut erstklassig und mir gefällt das schwarz-graue Design deutlich besser als das schwarz/rot älterer Modelle. Durch die horizontale die Anordnung der Q-Links wirkt MPC XL aufgeräumter als der Vorgänger. Im Lieferumfang befinden sich das passende Netzteil, ein hochwertiger Schutzaufsatz und ein Putztuch fürs Display sowie ein USB-C-Kabel, Quickstart Guide und ein kleiner Flyer für den Download der MPC Software.
Rechenleistung im Vergleich
Mit 16 GB Ram, 8-Core Prozessor und 256 GB Speicher ist MPC XL rund doppelt so gut ausgerüstet wie Live 3, im Vergleich zu MPC X sogar um ein vierfaches besser. Das hat vor allem Einfluss auf Projektladezeiten und Boot Up – bereits bei Live 3 konnte ich lag-frei durch Plug-In-Presets browsen sowie zahlreiche Instrumente und Effekte nutzen. Im Zweifelsfall ist der verbesserte Headroom aber nice to have!
Kurios ist, dass MPC XL trotz doppelter Rechenleistung dieselbe Höchstzahl von 32 Plug-In-Instrumenten, 16 Audio- und 16 MIDI-Tracks pro Projekt erlaubt. Auch die MPCe Pads und die Step Sequencer Row sind identisch zu Live 3, weshalb MPC XL primär in den Bereichen I/O und Hands-On-Workflow punktet. So gibt es bspw. nicht nur mehr Drehregler, sondern auch viele neue Funktionstaster für direkteren Zugriff – zu 1000 Euro Aufpreis.
Anschlüsse Hinten: MPC XL VS Live 3 und X SE

Wer MPC X kennt, wird sich bei den Anschlüssen der MPC XL schnell zurecht finden, weil sich Anordnung und Auswahl der Buchsen kaum verändert haben: zwei XLR/Klinke Kombibuchsen für Input 1 und 2, wahlweise 6,35 mm Klinken oder RCA für Input 3 und 4 sowie Main Outs und sechs Extra Ausgänge handhaben Audio. Zwei MIDI-Ins und stolze vier MIDI-Outs nach fünfpol-DIN sowie acht 3,5 mm CV-Ausgänge steuern externes Gear.
Wie bei Live 3 sind die CV-Outs Stereo, sodass sich per Y-Kabel also 16 Ausgänge ergeben – doppelt so viel wie Live 3 und X! Statt USB-B haben AKAI den modernen USB-C-Standard für die Computer Verbindung implementiert, die beiden USB-A-Slots für USB-Sticks und Co. sind geblieben. Im Vergleich zu Live 3 liefert MPC XL vier weitere MIDI-Outs sowie je zwei zusätzliche Audio Inputs und Outputs.
Anschlüsse Vorne

Auf der Vorderseite sind Kopfhöreranschlüsse in 3,5 mm und 6,35 mm Format mit eigenem Gain Poti sowie zwei FS-Ins und zwei Inst-Eingänge als Alternative zu den rückseitigen Kombi-Buchsen verbaut. Hinzu kommen ein SD-Kartenslot und ein weiteres Poti, das den Mix zwischen Main bzw. den Ausgängen 3 und 4 regelt. Wegen der ausladenden Größe der XL sind die zusätzlichen Anschlüsse total praktisch, gab es aber schon bei der MPC X.
Die MPC-Pads
Wie immer ist die 4x4 Pad Matrix das wichtigste Performance Tool einer MPC, weshalb sie auch bei XL im Zentrum der Bedienoberfläche angeordnet ist. Es handelt sich um die gleichen MPCe Pads, wie bei Live 3, was bedeutet, dass nicht nur Velocity und Aftertouch, sondern auch Bewegungen auf der Pad-Oberfläche erkannt werden. Das äußert sich zum Beispiel darin, dass es pro Pad vier Zonen gibt, auf die sich eigene Samples laden lassen.

Ihr könnt aber auch verschiedene Artikulationen auf die Quadranten legen oder über die neuen Partial Presets im X/Y-Control-Stil Filter, Pitcheffekte und Co. steuern. Letztere sind als neues Feature der MPC Software 3.7 auch für Live 3 erhältlich, genauso wie die vereinfachte Sample-Zuweisung pro Quadrant. Wie ich schon bei Live 3 kritisiert habe, ist der größte Nachteil, dass die MPCe-Funktionen (bis jetzt) nur bei Drumtracks funktionieren.
Die Knobs
Statt vier Q-Links, wie bei Live 3, besitzt MPC XL satte 16 Encoder, mit denen sich die Parameter der vielen Oberflächen innerhalb der MPC-Software steuern lassen. In der Praxis hat das für mich aber nicht so gut funktioniert: Weil sämtliche Plug-In-Instrumente, Effekte und Bearbeitungsmenüs mit unterschiedlicher Anordnung und Anzahl an Parametern ausgestattet sind, dauert es unnötig lange, bis man den passenden gefunden hat.

Trotz interaktiver Beschriftung via Poti-Display arbeite ich lieber mit der Kombination aus Touchpad und Data Dial, wobei letzteres die Push-Funktion vermissen lässt. Der neue Encoder oben links auf dem Gehäuse, der grundsätzlich die Lautstärke des ausgewählten Tracks steuert, gefällt mir hingegen sehr gut. Im zuweisbaren Macro-Modus sind die 16 Q-Links ein klares Upgrade und fungieren bspw. im Mute-Modus als Track-Mixer.
Die 100+ Buttons
Mit insgesamt 105 Tastern übertrumpft MPC XL sämtliche Vorgängermodelle und will den Workflow so direkt wie möglich gestalten. Die mit Abstand sinnvollste Erweiterung sind die dedizierten TRK+ und TRK- Taster, mit denen in jeder Bedienoberfläche der MPC3 OS durch die verfügbaren Tracks gescrollt werden kann, ohne das Menü wechseln zu müssen.
Auch, wenn viele wichtige Bereiche der MPC Software jetzt einen eigenen Button haben, kommt man nicht am Gebrauch des Touchscreens vorbei. Besonders wer neu im MPC-Workflow ist, wird über den Bildschirm schneller zurecht kommen, als per Button, langfristig sind die Taster aber ein QoL-Gewinn.
Alt gegen Neu: MPC3 OS
Der mit Live 3 eingeführte Step Sequenzer inklusive dedizierter Button-Reihe ist eine lang ersehnte Ergänzung des MPC-Workflows und im zeitgenössischen Producing-Alltag ein absolutes Must Have. Weitere Neuerungen sind ein umfassender Clip Launcher, ein verbesserter Time-Stretch Algorithmus sowie erweiterte MIDI- und CV-Tools mit mehr Modulationsmöglichkeiten, Envelopes und LFOs.
Während diese Features im Software-Umfang der neuen MPCs enthalten sind, haben AKAI ein kostenpflichtiges Upgrade-Pack veröffentlicht, mit dem auch pre Live 3 MPCs in den Genuss der neuen Funktionen kommen: Das sogenannte Pro Pack kostet derzeit 199,99 Euro. Damit verkürzt sich der Feauture-Vorteil zuletzt veröffentlichter Produkte auf MPCe, den physischen Step-Sequencer und die Advanced Stem Separation.
Alternativen
Fazit
MPC XL richtet sich an alle, die im Studio auf den Computer verzichten und lieber mit Potis, Pads und Touchstrip arbeiten wollen, statt Tastatur und Maus. Die MPC Software ist mittlerweile eine ernstzunehmende DAW mit wachsender Zahl an Partnerfirmen, wodurch das Plug-In-Arsenal stetig wächst. Das größte Problem der MPC XL ist, dass es viele Überschneidungen mit MPC X und Live 3 gibt, die deutlich weniger kosten.
Trotzdem ist XL die am besten ausgestattete MPC auf dem Markt und steht als „DAW-less” Production Hub ziemlich außer Konkurrenz – vielleicht abgesehen von Ableton’s Push 3. Allerdings kommen selbst diese Geräte nicht wirklich an einer „richtigen” DAW vorbei, wenn es ums professionelle Finishen von Tracks geht, weshalb mir die mobile MPC Live 3 mit integriertem Mikrofon, Akku und Speaker besser gefällt.
Wer alles aus dem neuen MPC-Workflow und der aktuellen Software rausholen will, dürfte mit MPC XL glücklich werden. Wer Geld sparen möchte, schaut besser nach, ob auch Live 3 oder eine gebrauchte X die gewünschten Features bringen.
Pro
bis jetzt umfassendste Standalone MPC
Viele physische Bedienelemente für Hands-On-Kontrolle
umfangreiche Anschlussmöglichkeiten
Kontra
Viel Überschneidung mit MPC Live III und MPC X
Data Dial hat keine Push-Funktion
passt nicht in jedes Studio
steile Lernkurve
Preis:
2.584 EUR
Weitere Informationen gibt es auf der Website von AKAI Pro. MPC XL | Akai Professional | Akai Pro