Irland zahlt Kunstschaffenden dauerhaft 1.300 Euro im Monat. In Deutschland gibt es darüber bisher keine Diskussion, dafür aber Kürzungen im Kulturetat.
In Irland bekommen Kunstschaffende künftig dauerhaft ein staatliches Grundeinkommen. Das Mitte-Rechts-Bündnis hat das Pilotprojekt "Basic Income for the Arts" in den Regelbetrieb überführt und stellt dafür 34,4 Millionen Euro bereit. 2.000 Künstler:innen bekommen damit jede Woche 325 Euro.
Gestartet war das Programm 2022 als Antwort auf die Pandemie, es lief bis Februar 2026. Die Plätze wurden verlost, eine Kontrollgruppe von 1.000 Kulturschaffenden lief wissenschaftlich mit. Das Geld kommt zusätzlich zum übrigen Einkommen, einen Verwendungsnachweis gibt es nicht. Die Begleitstudie fand weniger Existenzangst, stabilere psychische Gesundheit und mehr Zeit für die eigene Arbeit, weil viele ihre Nebenjobs zurückfahren konnten. Jeder eingesetzte Euro bringt dem Staat 1,39 Euro zurück, über Steuern und eingesparte Sozialleistungen.
Auf die 2.000 Plätze kamen mehr als 9.000 Bewerbungen. Die Lobbygruppe National Campaign for the Arts wertete das als "deutliches Signal", da gut die Hälfte der irischen Kulturschaffenden unter der Armutsgrenze lebt. Dass das Projekt den Regierungswechsel 2025 überstanden hat, liegt auch an der frühen Absprache mit der Opposition. Eine Schwachstelle blieb allerdings. Künstler:innen mit Behinderung verzichteten teils auf eine Bewerbung, weil unklar war, ob das Grundeinkommen auf andere Sozialleistungen angerechnet wird.
Der Vergleich winkt
Ein vergleichbar bedingungsloses Grundeinkommen gibt es in Kontinentaleuropa bisher nicht. Der Kulturausschuss des Bundestags beschäftigte sich dieses Jahr lediglich mit der sozialen Lage von Künstler:innen mit Blick auf Soloselbstständige. Die in der Künstlersozialkasse versicherten Musikschaffenden rechneten für 2025 mit durchschnittlich 16.982 Euro aus ihrer künstlerischen Haupttätigkeit. Dabei klafft die Gender-Pay-Gap eklatant auseinander. Frauen kommen auf 13.859 Euro, Männer auf 19.078 Euro. Im Nachbarland Österreich verdient laut einer Umfrage die Hälfte der hauptberuflichen Musikschaffenden weniger als 18.000 Euro brutto.
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