Skandaløs, Langeln Open Air, Wilwarin: Immer mehr kleine Festivals in Schleswig-Holstein sagen ab oder pausieren. Explodierende Kosten und fehlende Feierlaune setzen die Szene unter Druck.
Mehrere Musikfestivals in Schleswig-Holstein werden 2027 nicht mehr stattfinden. Das Skandaløs-Festival in Neukirchen, seit 15 Jahren fester Programmpunkt im äußersten Norden, geht 2026 in seine letzte Runde. Auch das Langeln Open Air im Kreis Pinneberg findet nach zwei Jahrzehnten nicht mehr statt. Das Lalafestival in Negenharrie legt zumindest eine Pause ein, offen ist, ob und wie es danach weitergeht. Unklar bleibt auch die Zukunft des Wilwarin bei Ellerdorf, das seine für 2026 geplante Ausgabe erstmals in der Vereinsgeschichte aus eigenen Stücken absagen musste.
Eine Umfrage des NDR unter 50 kleineren Festivals in Schleswig-Holstein zeigt zudem, wie prekär die Lage vielerorts ist. Rund ein Dutzend der Befragten konnte oder wollte nicht zusichern, auch 2027 noch anzutreten. Die mit Abstand größten Sorgenfaktoren sind demnach explodierende Produktionskosten und massiv eingebrochene Vorverkaufszahlen. Bürokratische Hürden landen im Ranking der Probleme dagegen erst auf Platz drei.
Couch statt Clubkultur
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Beim Wilwarin etwa klaffte zuletzt eine Lücke von rund 1.800 Tickets zur ursprünglichen Kalkulation. Zusatzkosten, etwa bei Bauzaunlieferungen oder Getränkeeinkauf, verschärften die Situation zusätzlich. Kulturmanagerin Vera Allmanritter vom Berliner Institut für Kulturelle Teilhabeforschung verweist auf einen tieferliegenden Trend. Vor allem ein jüngeres Publikum verlagere Geselligkeit zunehmend in die eigenen vier Wände. Tickets würden zudem immer später gekauft. Sie erkennt darin eine Nachwirkung der Pandemie, die viele Veranstaltende bestätigen.
Dass das Sterben kleiner Festivals kein rein norddeutsches Phänomen ist, zeigt der Blick über die Landesgrenzen hinaus. Während Großveranstaltungen wie Rock am Ring oder Wacken weiterhin Rekordzahlen vermelden, kämpfen kleinere Festivals ums Überleben. Bundesweit verabschiedeten sich zuletzt etwa das Meadow Festival in Bayern oder das Subwood Festival in Rheinland-Pfalz. Ein Trend, der auf internationalen Bühnen schon in den vergangenen Jahren zu erkennen war. Hoffnung macht immerhin die Stimmung unter den befragten Veranstalter:innen selbst. Auf einer Skala von null bis zehn bewerteten sie die Zukunftsaussichten kleiner Festivals im Schnitt mit einer Sechs.
Foto: Nachtdigital - ND 17 // Nachtdigital 2014, CC BY 2.0
