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Der Mann, der die Dancefloors veränderte: Musik-Legende Clive Davis mit 94 Jahren
Foto von U.S. Department of State on Flickr, Gemeinfrei

Der Mann, der die Dancefloors veränderte: Musik-Legende Clive Davis mit 94 Jahren

News. 23. Juni 2026 | / 5,0

Geschrieben von:
Christoph Gleich

Er war kein Produzent im klassischen Sinne, dennoch hat kaum jemand mehr Hits produziert als Clive Davis. Nun ist der mächtigste Plattenmann der Musikgeschichte mit 94 Jahren gestorben.

Clive Davis, der wohl einflussreichste Plattenbosse der Musikgeschichte, ist am 22. Juni 2026 in New York gestorben. Er wurde 94 Jahre alt. Seine Familie bestätigte den Tod in einer Erklärung, in der sie ihn als "ikonische Musik-Legende beschrieb, deren Vision, Instinkt und unermüdliches Streben nach Exzellenz den Soundtrack zahlloser Leben geprägt hat."

Davis war kein Produzent im klassischen Sinne, trotzdem hat kaum jemand mehr darüber entschieden, was aus Lautsprechern tönt und was nicht. Als Jurist ohne musikalische Ausbildung übernahm er 1967 die Präsidentschaft bei Columbia Records und entwickelte binnen weniger Jahre ein Gespür für Sounds, das ihn zur vielleicht mächtigsten Einzelperson in der westlichen Popmusik machte. Seine Entdeckungen lesen sich wie eine Enzyklopädie des 20. Jahrhunderts: Janis Joplin, Santana, Bruce Springsteen, Billy Joel, Aerosmith. US-Soul-Legende Aretha Franklin nannte ihn schlicht "den größten Plattenmann aller Zeiten."

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1974 gründete Davis Arista Records, wo Clive Davies unter anderem Patti Smith und die Grateful Dead unter Vertrag nahm. Letztere gelten bis heute als Kultobjekte einer psychedelisch-kollektiven Hörerfahrung, die dem Rave-Gedanken strukturell näher steht als jeder Radiohit. 1983 begann seine engste künstlerische Partnerschaft mit Whitney Houston. Sie führte zu sieben aufeinanderfolgende US-Nummer-eins-Singles. Bis zu Houstons Tod 2012 blieb Davis ihr engster musikalischer Vertrauter.

I wanna dance with somebody

Clive Davis hat aber auch der elektronischen Musik seinen Stempel aufgedrückt. 1994 ging Sean Combs' Label Bad Boy Entertainment eine Partnerschaft mit Arista ein. Die Produktionen mit 808-Kicks und dem Crossover zwischen Soul und Hip-Hop legten stilistische Grundsteine für das, was in den USA fortan in Clubs lief. 1999 arbeitete Davis außerdem mit Prince zusammen, der daraufhin das Album "Rave Un2 the Joy Fantastic" veröffentlichte. Der Titel war kein Zufall – Prince bewegte sich zu dieser Zeit tief in Dance-Territorien. Und LaFace Records, das Davis 1989 gemeinsam mit L.A. Reid und Babyface gründete, war die Heimat von TLC, Usher und Outkast. Allesamt Artists, deren Produktionen die Grenzziehung zwischen R’n’B und und Dancefloor-Ästhetik neu verhandelten.

Clive Davies
Foto von Associated Press - under puplic domain

Wer die Genealogie der elektronischen Musik durch R’n’B, Soul, Disco, House zurückverfolgt, landet unweigerlich an Punkten, an denen Davis mitentschieden hat, was gehört wurde und was nicht. Sein Credo: Struktur schafft Kanon, Kanon schafft Referenz, Referenz schafft Sound. In diesem Sinne war Clive Davis einer der unsichtbaren Architekten auch jener Musik, die heute in den Clubs spielt.

Das war der Soundtrack seines Lebens

Seit 2000 war Davis Mitglied der Rock and Roll Hall of Fame. Im Laufe seiner Karriere gewann er fünf Grammy Awards. Außerdem gründete er das Clive Davis Institute of Recorded Music an der NYU Tisch School of the Arts. 2017 erschien außerdem der Dokumentarfilm "The Soundtrack of Our Lives", der Davis’ über 60-jährige Musikkarriere festhält. 

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Noch am 31. Januar 2026 hatte Davis seine legendäre Pre-Grammy-Gala veranstaltet, die er seit 1975 jährlich ausrichtete. Zuletzt arbeitete Clive Davies als Chief Creative Officer bei Sony Music Entertainment. Bruce Springsteen schrieb nach seinem Tod: "Er hat mein Leben verändert, als er mich mit 22 unter Vertrag nahm – und er hat mich mit demselben Respekt behandelt wie danach, nach all dem Erfolg."

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