Frankreich: Debatte über härtere Strafen für unangemeldete Raves verschärft sich
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Frankreich: Debatte über härtere Strafen für unangemeldete Raves verschärft sich

News. 8. Juni 2026 | / 5,0

Geschrieben von:
Christoph Gleich

Am Wochenende versammelten sich knapp 2.000 Menschen zu einer illegalen Free-Party auf einem Gelände in Claret, rund 30 Kilometer vom südfranzösischen Montpellier entfernt.

Die Behörden hatten bereits im Vorfeld den sogenannten Blue Rave Plan aktiviert, ein departementales Notfallprotokoll zur schnellen Polizeimobilisierung bei Verdacht auf illegale Partys. Dennoch übernahmen die Feiernden das Gelände, bevor die Einsatzkräfte die Lage unter Kontrolle bringen konnten.

Die örtliche Polizei reagierte mit einem Aufklärungsflug per Hubschrauber, um die Teilnehmer:innenzahl des illegalen Raves zu erfassen. Sie sperrte daraufhin Zufahrtsstraßen, um weiteren Zustrom zu verhindern. Außerdem begann die Polizei mit der systematischen Kontrolle abfahrender Fahrzeuge.

Ripost-Gesetzentwurf im Fokus

Das Timing der Party fällt in eine Phase intensiver Mobilisierung gegen den sogenannten Ripost-Gesetzentwurf, der aktuell im französischen Parlament beraten wird und bereits den Senat passiert hat. Das Gesetz sieht eine deutliche Anhebung der Strafmaße vor. Veranstalter:innen nicht angemeldeter Raves sollen künftig mit bis zu zwei Jahren Haft und 30.000 Euro Geldstrafe belegt werden können. Teilnehmenden droht künftig bis zu sechs Monate Haft und 7.500 Euro Geldstrafe. Besonders umstritten ist die geplante Absenkung der Meldepflicht-Schwelle von 500 auf 250 Personen. Damit würden weit mehr Veranstaltungen in den Regulierungsbereich fallen.

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Bereits 2019 hatte der Senat ein erstes Anti-Rave-Gesetz verabschiedet, das Meldepflichten und Bußgelder für kleinere Veranstaltungen einführte. Damals passierte das noch ohne Zustimmung der Nationalversammlung. Seitdem hat sich der politische Ton gegenüber der Free-Party-Szene allerdings merklich verschärft.

Widerstand wächst

Das vergangene Wochenende in Claret reiht sich in eine Serie von Gegenreaktionen ein. Bereits am vorangegangenen Wochenende demonstrierten mehrere Hundert Menschen in Montpellier und Marseille gegen Ripost. Für dieses Wochenende sind weitere Kundgebungen oder Protestpartys in den französischen Städten Rennes, Lille und Gap angekündigt.

Erst im Mai 2026 besetzten rund 40.000 Raver:innen ein ehemaliges Militärgelände bei Bourges, der Heimatstadt von Frankreichs Innenminister Laurent Nuñez, der das Gesetz maßgeblich vorantreibt. Nuñez zeigte sich damals unbeeindruckt und kündigte verschärfte Maßnahmen an. Die Szene antwortet nun mit weiteren Aktionen.

Für die Behörden geht es um Sicherheit, Lärmschutz und die Eindämmung von Drogenkonsum. Für die Verteidiger der Free-Party-Kultur, darunter das Kollektiv Tekno Anti Rep, handelt es sich hingegen um die Kriminalisierung einer autonomen Gegenkultur, die in Frankreich seit den frühen 1990er Jahren verwurzelt ist. Damals wichen viele Szeneakteure nach der Verschärfung der britischen Gesetze ins Nachbarland aus. 

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