Kreuzberg Audio KA-303 Test: Was der neue Acid-Synthesizer aus Berlin wirklich kann
Foto: Kreuzberg Audio

Kreuzberg Audio KA-303 Test: Was der neue Acid-Synthesizer aus Berlin wirklich kann

Tests. 10. Juni 2026 | / 5,0

Geschrieben von:
Boris Alexander

Mit dem KA-303 veröffentlicht Kreuzberg Audio einen Acid-Synthesizer, der standalone oder als Plugin in einer DAW ausgeführt werden kann. Entwickler Frank Hahn, der sich bislang vor allem mit Tools für Bitwig einen Namen gemacht hat, bietet mit diesem Produkt seinen ersten "echten” Synthesizer an, der universell nutzbar ist. Zwar gibt es bereits zahlreiche Roland-TB-303-Klone auf dem Markt, doch dieser Ansatz will mehr bieten als eine authentische Soundreproduktion.

Quick Facts

  • Acid-Synthesizer
  • Composing Engine mit Accent und Slide
  • Devil-Fish-Mod
  • Effekte und Distortion enthalten
  • Für Producer
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Kreuzberg Audio – KA-303
Kreuzberg Audio – KA-303

Kreuzberg Audio – KA-303 Einordnung

Kaum ein Synthesizer hat so viele Klone und Emulationen hervorgebracht wie Rolands legendäre Silberkiste TB-303. Sie hat den Sound des Musikgenres Acid definiert und ist bis heute regelmäßig zu hören. Zahllose Clubhits wie "Higher State of Consciousness” (Josh Wink), "Turkish Bazar” (Emmanuel Top), "Acperience” (Hardfloor) oder "Da Funk” (Daft Punk) leben von dem typischen Gezwitscher des kleinen Geräts. Durch Programmierzufälle, Batterieprobleme und andere technische Unperfektheiten führte diese ein regelrechtes Eigenleben.

Somit lohnt es sich, diesen Sound zu konservieren, da die Hardware-Originale natürlich nicht ewig überleben werden. Zudem schätzen viele Produzenten die bequeme Einbindung in eine DAW als Plug-in. Doch braucht es im Jahr 2026, bei bereits etablierten Lösungen von Roland und Arturia, noch eine weitere Softwareumsetzung? Gehen wir dieser Frage auf den Grund und schauen uns den KA-303 einmal näher an!

Der KA-303 von Kreuzberg Audio ist in unterschiedliche Arbeitsbereiche unterteilt.

KA-303 - Sound Engine
Der KA-303 von Kreuzberg Audio ist in unterschiedliche Arbeitsbereiche unterteilt.

Wie ist der KA-303 aufgebaut?

Der KA-303 ist optisch vollständig eigenständig gestaltet und nimmt keinerlei Anleihen am Original. Ein Grund dafür dürfte darin liegen, dass das Plugin viele Features bietet, die das Original nicht hat.

Die Bedienoberfläche des Kreuzberg Audio KA-303 ist in zwei Arbeitsbereiche unterteilt. Im Bereich "Sound Engine” befinden sich die Synthesizerparameter und im Bereich "Composing Engine” eine Piano Roll, mit der sich Bass- und Synthlines erstellen lassen.

Beide Bereiche sind mit einem individuellen Presetspeicher ausgestattet, sodass sich Sounds unabhängig von den Pattern speichern und abrufen lassen. Ein ergänzender, dritter Bereich erlaubt die Auswahl des MIDI-Kanals, Einstellungen zum Oversampling und die Aktivierung eines Limiters.

In der Composing Engine lassen sich Pattern selektieren und bearbeiten.

KA-303 - Composing Engine
In der Composing Engine lassen sich Pattern selektieren und bearbeiten.

In den Settings lassen sich der Limiter und weitere Komponenten aktivieren.

KA-303 - Settings
In den Settings lassen sich der Limiter und weitere Komponenten aktivieren.

Was beinhaltet die Sound Engine?

Im oberen Teil der Sound Engine wird der Grundsound durch die Wahl der Wellenform festgelegt. Hier kann zwischen den Formen Sägezahn und Rechteck gewählt oder stufenlos zwischen beiden übergeblendet werden. Anschließend gibt es große Drehregler für Cutoff, Resonanz, Envelope Mod, Decay und Accent. Mit diesen Reglern können typische Soundformungen vorgenommen und ein lebendiger Sound kreiert werden. Das Herzstück des KA-303 ist eine detaillierte "Bauteil-Nachbildung" des originalen Diode-Ladder-Filters. Hier kommt keine generische Modellierung, sondern eine recht aufwändige Circuit-Level-Emulation zum Einsatz. 

Unterhalb der Soundformungsregler stehen Effekte wie Delay und Hall sowie eine Unisono-Funktion zur Verfügung, die den Klang fetter macht. On top gibt es noch Distortion mit verschiedenen Modellen und einem Pre-Distortion-Crossover, das den Subbassanteil aussortiert. Dadurch ist ein gezielter Einsatz des Verzerrers möglich, ohne dass der Gesamtsound unbrauchbar wird. Abgerundet wird das Ganze durch den Modus "Angel Fish”, der sich am populären "Devil Fish Mod” aus Australien für die originale Hardware orientiert und ebenfalls zusätzliche Verzerrungen bietet.

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Mehr Informationen

Was bietet die Composing Engine?

Die Composing-Engine des KA-303 ist ein leistungsstarker Werkzeugkasten zur schnellen Erstellung von Acid-Pattern, in dessen Zentrum sich eine Piano Roll befindet. Noten inklusive Accent und Slide lassen sich dort einzeichnen, per Lasso-Funktion selektieren und auf Skalen fixieren. Variationen der Pattern inklusive Accent- und Slide-Modifikationen können per Mausklick erzeugt werden.

Es lassen sich Pattern mit bis zu 64 Steps generieren. Selbstverständlich sind auch die für Acid typischen ungeraden Werte 3, 5, 7 usw. wählbar. Die erzeugten Inhalte können zur weiteren Verwendung in einem Arrangement in eine DAW übertragen werden. Umgekehrt ist auch das Importieren von MIDI-Files in die Composing Engine und das Verfeinern zu neuen Pattern möglich.

Der KA-303 in der Praxis

Für unseren Praxistest haben wir den KA-303 in der VST3-Version auf einem Mac installiert und in Kombination mit der DAW Ableton Live ausprobiert. Damit das Ganze praxisgerecht nutzbar ist und Spaß macht, haben wir zur Steuerung der Synthie-Parameter einen Hardware-MIDI-Controller verwendet. 

Der KA-303 ist mit einer eigenen MIDI-Learn-Funktion ausgestattet. In Verbindung mit Ableton Live sollte jedoch die MIDI-Programmierung der DAW genutzt werden, um eine zuverlässige Steuerung zu gewährleisten.

Exkurs: KA-303 in Ableton Live fernsteuern

Zunächst muss der Hardware-Controller im Einstellungsmenü von Ableton Live aktiviert werden. Dieser Schritt erfolgt unter dem Menüpunkt "Link, Tempo & MIDI". Wichtig ist hierbei, dass der Eingang "Remote" aktiviert ist. Wenn man anschließend ein Bedienelement des Controllers dreht oder drückt, sollten die eingehenden MIDI-Daten in der Kopfzeile des Programms per blinkender Anzeige visualisiert werden.

Aktivierung eines MIDI-Controllers in Ableton Live.

Ableton Live - Einstellungsmenü
Aktivierung eines MIDI-Controllers in Ableton Live.
Programmierung der MIDI-Fernsteuerung in Ableton Live.

Ableton Live - MIDI Learn
Programmierung der MIDI-Fernsteuerung in Ableton Live.

Die eigentliche Programmierung erfolgt durch Einschalten der MIDI-Lernfunktion in Ableton über die entsprechende Schaltfläche (MIDI) in der Kopfzeile. Anschließend klappt man durch Drücken der Pfeiltaste im unteren Bereich des Programms die Auswahl der steuerbaren Parameter des Plugins auf. Nach der Selektion des gewünschten Parameters (Cutoff, Resonance, Decay etc.) mit der Maus bewegt man das entsprechende Bedienelement und beendet den Programmiervorgang durch erneutes Klicken auf die MIDI-Schaltfläche in Ableton.  

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Acid-Pattern erzeugen

In der Composing Engine des KA-303 lassen sich mit wenigen Mausklicks Acid-Pattern erzeugen. Am einfachsten gelingt das, wenn man mit einem der integrierten Pattern beginnt. Aber auch komplett neu erzeugte Pattern sind schnell umgesetzt. Mit Hilfe der implementierten Funktionen lassen sich neue Variationen erzeugen, die leistungsfähiger sind und gezielter genutzt werden können als ein reines Random-Feature. Per Host Sync laufen die Pattern synchron zum eingestellten Tempo in der DAW, sodass Beats und andere musikalische Inhalte passgenau ergänzt werden können.

Um die erzeugten Basslines in einer Musikproduktion weiterbearbeiten zu können, lassen sie sich per Drag & Drop in das Arrangement-Fenster ziehen. Dort können sie mit Automationen und weiteren Effekten versehen werden, sodass ein lebendiger Acid-Groove entsteht.

Wie klingt der KA-303?

Der KA-303 bietet einen soliden TB-303-Sound und macht vor allem in Kombination mit dem Verzerrer ordentlich Alarm. Die Acid-typischen, knarzigen Basslines lassen sich mit dem Synthie problemlos kreieren. Dank Devil/Angel-Fish-Mod und der morphbaren Wellenform sind sogar mehr Möglichkeiten als beim Original gegeben.

Soundbeispiel 1 Preset "Acid Rain" mit Automation

Soundbeispiel 2 Preset "Disorted Acid" mit mit Automation und Verzerrer DS-1

Soundbeispiel 3 Preset "Muffeld Groove" mit Angel Fish und Automation

Soundbeispiel 4 Preset "Squelchy" mit Automation

Soundbeispiel 5 Preset "Crying Acid" mit Automation

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Kreuzberg Audio – KA-303
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Fazit

Der KA-303 von Kreuzberg Audio ist ein gut gelungener Roland TB-303-Klone. Das Plugin ist einfach zu bedienen und bietet einen soliden, authentischen Sound. On top gibt es klangliche Erweiterungen wie morphbare Wellenformen, clever implementiertes Distortion und den beliebten Devil-Fish-Mod (Angle-Fish).

Mithilfe der internen Composing-Engine lassen sich Acid-Pattern im Handumdrehen generieren. Hier stehen zahlreiche Werkzeuge zur Verfügung, die ein gezieltes, kreatives Arbeiten fernab von Zufallsgeneratoren ermöglichen. Die mit den typischen Accent und Slide versehbaren Lines lassen sich in eine DAW übertragen und dort als Bausteine kompletter Songs in Arrangements nutzen.

Der KA-303 ist mit einem Preis von 69 Euro meiner Meinung nach fair bepreist. Wer sich unverbindlich einen Eindruck verschaffen möchte, kann die kostenlose Demoversion auf der Website des Herstellers herunterladen.

Gesamtwertung:
4,5 von 5,0
Qualität:  
4,5 von 5,0
Klang:  
4,5 von 5,0
Preis-Leistung:  
4,5 von 5,0

Pro

Solider TB-303 Sound
Erweiterte Klangoptionen durch morphbare Wellenform
Devil-Fish-Mod enthalten
Clevere Verzerrer-Implementierung
Composing Engine für schnelle Patterngenerierung
MIDI-Import und -Export
Separate Presetspeicher für Sounds und Pattern

Kontra

Nur wenige Soundpresets enthalten

Preis:

69.- €

Weitere Informationen gibt es auf der Website von Kreuzberg Audio

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