Mit dem BDS-3 bringt Behringer eine authentische Hommage an den legendären Simmons SDS-3 aus dem Jahr 1978 auf den Markt. In einer Ära, in der perkussive Analogsounds der frühen achtziger Jahre ein massives Comeback feiern, besetzt dieses Gerät eine spannende Nische zwischen klassischem Drum-Synthesizer und experimentellem Sounddesign-Tool. Im Gegensatz zu herkömmlichen Drumcomputern mit festen Zuweisungen für Kick oder Snare bietet der BDS-3 vier identisch aufgebaute Kanäle, die sowohl im Studio als auch in einer modernen Eurorack-Umgebung ihren Platz finden. Das Gerät ist darauf ausgelegt, rohe und organische Klänge zu erzeugen, die weit über einfache Schlagzeug-Sounds hinausgehen, wobei der Fokus klar auf der haptischen Echtzeit-Kontrolle liegt.
In der Praxis
Im Praxistest erweist sich der BDS-3 als charakterstarke Sound-Maschine, die mit ihrem durchsetzungsfähigen Analog-Klang und einer enormen Flexibilität bei der Triggerung punktet. Besonders die Kombination aus klassischer Percussion-Synthese und unkonventionellen Funktionen wie dem Run-Generator ermöglicht inspirierende Ergebnisse, die man bei moderneren Konkurrenten oft vermisst. Auf der Kehrseite zeigt sich das Gerät bei der MIDI-Implementierung recht starr und die Kurve des Decay-Reglers verlangt nach Fingerspitzengefühl, da sie sehr abrupt von kurzen Klicks zu langen Ausklingzeiten springt. Wer jedoch einen puristischen Analogsynthesizer für markante Toms, futuristische Effekte oder sogar experimentelle Klangflächen sucht, bekommt hier ein Werkzeug an die Hand, das trotz kleinerer Eigenheiten durch seinen ganz eigenen Charme überzeugt.

Foto: Behringer
- Vierfache Flexibilität: Durch vier identisch aufgebaute Kanäle lassen sich individuelle Kits ohne starre Vorgaben für die einzelnen Instrumente erstellen.
- Hybride Trigger-Architektur: Die Ansteuerung erfolgt wahlweise über USB/DIN-MIDI oder klassisch über analoge Mic-Eingänge für anschlagsdynamisches Spiel mit E-Pads.
- Direkter Zugriff: Insgesamt 36 Regler und Fader (sowie zahlreiche Kippschalter) garantieren eine intuitive Bedienung ohne Untermenüs und laden zum ausgiebigen Schrauben ein.
- Eurorack-Kompatibilität: Das Hauptmodul kann mit 70 HP direkt in ein standardmäßiges Modular-System integriert werden.
Aufbau und Haptik
Beim Auspacken des BDS-3 fällt sofort das solide Metallgehäuse ins Auge, welches durch die schicken Holzseitenteile eine edle und zugleich nostalgische Note erhält. Mit einer Breite von 70 HP lässt sich das Herzstück des Geräts bei Bedarf aus dem Desktop-Gehäuse schrauben und in ein Eurorack-System integrieren, wodurch es sich wunderbar in moderne modulare Setups einfügt.
Im direkten Vergleich zum historischen Vorbild aus den späten Siebzigern wirkt der Nachbau deutlich kompakter und platzsparender, was jedoch eine kleine Änderung im Layout mit sich brachte. Die vier Lautstärke-Fader der Kanäle wurden um 90 Grad gedreht und verlaufen nun horizontal statt vertikal. Während dies für schnelle Live-Performances zunächst eine kurze Umgewöhnung erfordern kann, lässt sich dieser Kompromiss zugunsten der handlichen Gesamtgröße absolut verschmerzen.
Die Haptik der insgesamt 36 Regler und Fader auf der Frontplatte wirkt wertig und lädt förmlich dazu ein, Klänge während des Spielens ständig zu verbiegen. Da jeder der vier Kanäle über eine identische Ausstattung verfügt, findet man sich schon nach kurzer Zeit blind auf der Bedienoberfläche zurecht.
Auf der Rückseite sowie direkt auf der Oberseite befinden sich zudem zahlreiche Anschlussmöglichkeiten, die von klassischen 6,35-mm-Klinken bis hin zu den im Modular-Bereich üblichen 3,5-mm-Buchsen reichen. Neben dem praktischen Pitch-Pedal-Eingang zur globalen Tonhöhensteuerung findet sich auf der Rückseite zusätzlich ein Decay-Kill-Eingang im 6,35-mm-Format. Über diesen lässt sich das Ausklingen der Sounds abrupt stoppen, was besonders im Zusammenspiel mit externen Sequenzern oder Fußschaltern für rhythmische Akzente sorgt.
Insgesamt macht der Behringer BDS-3 einen sehr stabilen Eindruck und vermittelt das Gefühl eines echten Musikinstruments, das sowohl für den harten Studioalltag als auch für intensive Live-Nutzung bestens gerüstet ist.

Foto: Behringer
Klangerzeugung – Zwischen Sinus-Sättigung und Rausch-Teppichen
Das klangliche Fundament des Behringer BDS-3 bilden vier identisch aufgebaute Kanäle, die jeweils auf einem selbstoszillierenden Ladder-Filter und einem White-Noise-Generator basieren. Über einen stufenlosen Soundauswahl-Regler lässt sich so zwischen diesen beiden Quellen überblenden. Auf der einen Seite steht der "Tone"-Modus, der dank des selbstoszillierenden Ladder-Filters einen gesättigten Sinuston liefert, während auf der anderen Seite das klassische weiße Rauschen wartet.
Eine Besonderheit offenbart sich dabei beim Blick auf den Pitch-Regler, denn dieser fungiert eigentlich als Filter-Cutoff. Im Tone-Modus steuert er die resonante Frequenz des Filters, was den eigentlichen Sinuston erzeugt, während er im Noise-Modus als Lowpass-Filter dient. Hierbei ist jedoch ein wenig Aufmerksamkeit gefragt, denn möchte man beide Klangquellen gleichzeitig nutzen, lassen sich keine extrem tiefen Sinus-Töne mit viel Rauschen kombinieren. Da das Filter den Noise-Anteil bei niedrigen Cutoff-Werten schlichtweg schluckt, muss hier stets die richtige Balance gefunden werden.
Um den Klängen das nötige Leben einzuhauchen, stehen pro Kanal zwei unterschiedliche Pitch-Hüllkurven bereit. Während der Envelope-Regler für klassische, kick-ähnliche Attacks sorgt, erlaubt der zusätzliche "Bend"-Regler Modulationen in beide Richtungen. Damit lassen sich Sounds realisieren, die entweder nach oben oder nach unten pitchen, was die klangliche Palette enorm erweitert.
Gesteuert wird die Ausklingzeit dieser Effekte über den Decay-Time-Regler. Im Test fiel hierbei jedoch auf, dass die Reglerkurve sehr drastisch reagiert. Schon auf den ersten Millimetern nimmt die Decay-Zeit rapide zu, sodass zwischen der mittleren und der maximalen Stellung kaum noch ein hörbarer Unterschied besteht. Für extrem kurze, knackige Percussions ist daher ein sehr feines Händchen gefragt. Hat man den Dreh jedoch erst einmal raus, belohnt der Behringer BDS-3 mit einem organischen und druckvollen Klangcharakter, der von tiefen Bässen bis hin zu metallisch peitschenden Snares reicht.
Die Master-Sektion – Von rhythmischem Chaos und subtilen Schwingungen
Zusätzlich zu den individuellen Kanaleinstellungen bietet der BDS-3 eine globale Sektion, mit der sich alle vier Stimmen gemeinsam manipulieren lassen. Ein zentrales Element ist dabei der LFO, welcher sich unabhängig für jeden Kanal als Modulationsquelle zuschalten lässt. Mit Reglern für die Rate sowie Wahlschaltern für die Wellenform und den Frequenzbereich lassen sich hier entweder langsame, organische Pitch-Veränderungen oder bei hohem Tempo sogar FM-artige, metallische Klänge erzeugen.
Eine interessante Beobachtung ergab sich im Test jedoch bei der Deaktivierung: Selbst wenn der LFO-Schalter eines Kanals auf "Off" steht, nimmt der Effect-Range-Regler bei aktivem Master-LFO noch einen dezenten Einfluss auf das Signal. Dies äußert sich in einem sehr feinen Vibrato, das bei voll aufgedrehter Range den Grundton zusätzlich um etwa einen Halbton nach unten drückt. Was zunächst wie eine kleine Ungenauigkeit wirkt, verleiht dem analogen Gerät im Einsatz damit eine zusätzliche, fast schon lebendige Note.
Für Musiker, die auf der Suche nach unvorhersehbaren und rhythmischen Texturen sind, hält der BDS-3 mit der "Run Time"-Funktion ein besonders kreatives Werkzeug bereit. Dahinter verbirgt sich ein Sample-&-Hold-Effekt, welcher immer dann ein neues "Sample" für die Tonhöhe generiert, wenn einer der aktivierten Kanäle getriggert wird. Da die Auswirkungen nicht immer sofort präzise vorhersehbar sind, lädt diese Funktion förmlich zum Experimentieren ein und führt oft zu glücklichen Zufallstreffern, die ein starres Drum-Pattern sofort aufbrechen.
Abgerundet wird die Master-Sektion durch einen globalen Pitch-Fader, mit dem sich das gesamte Kit um bis zu zwei Oktaven nach oben oder unten transponieren lässt. Dank der zusätzlichen Pedal-Anschlüsse lässt sich dieser Parameter sogar per Pedal oder Steuerspannung aus einem Modular-System kontrollieren, was den BDS-3 zu einem äußerst dynamischen Partner in jeder Performance macht.

Foto: Behringer
Integration und Workflow – Trigger-Freuden und experimentelle Kniffe
Bei der Einbindung in das eigene Setup zeigt sich der BDS-3 als äußerst kontaktfreudig, auch wenn er seinen analogen Wurzeln treu bleibt. Die vier Kanäle lassen sich wahlweise über die klassischen Mikrofon-Eingänge, USB oder die DIN-MIDI-Buchse triggern. Dabei ist jedoch wichtig zu verstehen, dass das Gerät primär als Percussion-Synthesizer konzipiert wurde. Eine melodische Bespielbarkeit über MIDI-Notenwerte ist nicht vorgesehen, da die eingehenden Signale lediglich als Gate-Trigger fungieren, um die analogen Stimmen auszulösen. Dafür lassen sich die Kanäle sowohl per MIDI als auch über den Mic-In anschlagsdynamisch triggern.
Die Zuweisung ist dabei fest auf die Noten C1, D1, E1 und F1 eingestellt. Die Kanäle sind zudem fest aneinander gebunden, was eine Ansteuerung über unterschiedliche MIDI-Kanäle leider verhindert. Da dies tief in der analogen Architektur verwurzelt zu sein scheint, sollte man diesen Umstand bei der Planung komplexerer MIDI-Setups im Hinterkopf behalten.
Doch auch ohne komplexe Melodien entfaltet das Gerät ein enormes Potenzial für abstraktes Sounddesign. Dank der schnellen Hüllkurven und der resonanten Filter eignet sich der BDS-3 hervorragend für die Erzeugung von "Bleeps & Bloops", die in technoiden oder psychedelischen Produktionen für die nötige Würze sorgen. Wer hier abseits starrer Pfade wandelt, wird schnell mit futuristischen Texturen belohnt.
Ein besonderes Highlight für experimentelle Sounddesigns ist zudem die Nutzung einer Feedbackschleife. Routet man den Mix-Output zurück in den Mikrofon-Eingang eines Kanals und erhöht die Empfindlichkeit, lässt sich auch ein durchgehender Ton erzielen. Sobald die Voice einmalig extern getriggert wird, sorgt das zurückgeführte Signal dafür, dass sich der Kanal immer wieder selbst auslöst. In Kombination mit den hohen Resonanzwerten des Filters entstehen so anhaltende Flächen oder dramatische Filter-Sweeps, die den BDS-3 weit über seine Rolle als reines Drum-Modul hinausheben.