Die unabhängige Musikplattform Nina Protocol hat das Ende ihres Betriebs angekündigt. Nach fünf Jahren stellt die New Yorker Plattform ihren Dienst schrittweise ein. Spätestens am 15. Juli 2026 gehen Website und App endgültig offline.
In einem offenen Brief an die Community erklärte das Team die Entscheidung. Man habe keine tragfähige Einnahmestrategie gefunden, die der Plattform in ihrer aktuellen Form eine nachhaltige Zukunft ermöglicht hätte. Alle geprüften Finanzierungsoptionen hätten keine Wege geboten, Nina verantwortungsvoll weiterzuentwickeln oder zu betreiben.
Die Abschaltung erfolgt nun in zwei Phasen. Bis zum 15. Juni bleiben Uploads und Käufe deaktiviert, die Seite aber erreichbar. Nutzer:innen können in dieser Zeit eigene Veröffentlichungen und Käufe exportieren sowie Guthaben abheben. Ab dem 15. Juni stehen ausschließlich die Offboarding-Tools zur Verfügung, bevor am 15. Juli der endgültige Shutdown erfolgt. Das redaktionelle Archiv von Nina Editorial soll laut Team in archivierter Form online zugänglich bleiben.
Gegen den Strom der großen Plattformen
Nina Protocol war 2021 von den Musikern und Entwicklern Mike Pollard, Jack Callahan und Eric Farber gegründet worden. Ihre Idee: eine öffentliche Musikinfrastruktur, frei von den Einschränkungen und der Kontrolle der bestehenden Giganten.
Die Plattform basierte auf Web3- und Blockchain-Technologie. Anders als Spotify oder YouTube Music, die Musik ohne Zustimmung der Künstler:innen löschen oder demonetisieren können, ermöglichte Ninas Peer-to-Peer-Blockchain-Netzwerk den Artists, direkte Kontrolle über ihre Musik und Einnahmen zu behalten. Und: Künstler:innen behielten dabei 100 Prozent ihrer Einnahmen – eine günstigere Bedingung als selbst bei Bandcamp.
Nina Protocol wuchs weitgehend unter dem Radar, abseits der üblichen Krypto-Hype-Zyklen, zugunsten eines stärker Community-orientierten Ansatzes. Zu den Künstler:innen, die auf Nina veröffentlichten, zählten unter anderem ML Buch, dBridge und Yung Lean. Allesamt Acts, die wie Nina selbst einen Raum zwischen Underground und Mainstream bewohnten.
Ein strukturelles Problem
Dass Nina scheitert, dürfte angesichts der Gesamtlage im Musikstreaming kaum überraschen. Spotify zahlt Künstlerinnen und Künstlern im Durchschnitt gerade einmal 0,004 Dollar pro Stream. Unabhängige Plattformen, die dieses Ungleichgewicht korrigieren wollen, stehen dabei vor einem grundsätzlichen Dilemma. Mit fairen Konditionen lässt sich kaum Kapital akkumulieren, ohne das Wachstum auf Dauer nicht möglich ist.
Zuletzt hatte Nina rund 40.000 monatliche User und 20.000 auf der Plattform hochgeladene Veröffentlichungen. Eine zu kleine Basis, um den Betrieb dauerhaft zu finanzieren, heißt es im Statement. Auch eine im Herbst 2025 angekündigte Partnerschaft mit Merlin, dem globalen Rechteverwerter unabhängiger Labels, konnte das nicht ändern.
Abschied mit Würde
In ihrem Abschiedsstatement dankt das Nina-Team allen, die die Plattform unterstützt, Musik veröffentlicht, Konzerte besucht und redaktionelle Texte beigetragen haben. Gleichzeitig bleibt der Ton kämpferisch. Man sei weiterhin inspiriert von Plattformen wie Bandcamp, SoundCloud, Tidal und Qobuz. "Wer Künstlerinnen und Künstlern mehr Kontext gibt und direkte Wege zu Einnahmen und Fans schafft, verdient Unterstützung", heißt es in der Mitteilung.