Das Landeskriminalamt Tirol hat eine internationale Drogenbande zerschlagen, die jahrelang Kokain und Cannabis nach Österreich geschmuggelt haben soll. Unterstützung kam dabei vom FBI.
Das Landeskriminalamt (LKA) Tirol hat eine kriminelle Vereinigung ausgehoben, die im großen Stil Drogen nach Österreich eingeschmuggelt haben soll. Der mutmaßliche Kopf der Bande, ein 44-jähriger Iraner, wurde bereits am 28. April 2026 von Sonderkräften der WEGA in seiner Wiener Wohnung festgenommen. Die Festnahme erfolgte zeitgleich zu der von vier weiteren mutmaßlichen Mitgliedern in Wien und im Tiroler Kundl. Alle fünf befinden sich inzwischen in der Justizanstalt Innsbruck in Untersuchungshaft.
Der Bande wird vorgeworfen, seit Mitte Februar 2020 die Einfuhr und den Vertrieb von mindestens zwölf Kilogramm Kokain und 680 Kilogramm Cannabis organisiert zu haben. Sie sollen dabei Wien, den Raum Innsbruck und vor allem Kufstein beliefert haben. Bei Hausdurchsuchungen stellten die Ermittler zudem ein halbes Kilogramm Cannabis, 85 Gramm Kokain sowie 80.000 Euro Bargeld sicher. In der Wohnung des Iraners fanden sich zudem 64.550 Euro in bar und mehrere abhörsichere Mobiltelefone.
Kufstein als Kokain-Hotspot
Dass die Bande Kufstein gezielt als Absatzmarkt ansteuerte, kommt nicht von ungefähr. Die Tiroler Tourismusstadt gilt seit Jahren als jener Ort in Österreich mit dem höchsten Pro-Kopf-Kokainkonsum. Im Vorjahr wurde dort laut europäischem Drogen-Monitoring fast doppelt so viel konsumiert wie in Wien. Das zeigen Rückstände im Abwasser von Kläranlagen.
2025 stieg der gemessene Kokainwert in Kufstein gegenüber dem Vorjahr um rund 55 Prozent. Dabei ist Kokain inzwischen in der gesamten österreichischen Gesellschaft angekommen. Rund 340.000 Menschen zwischen 15 und 64 Jahren haben die Substanz laut aktuellen Erhebungen zumindest einmal konsumiert. Das sind doppelt so viele wie noch 2015.
FBI und geknackte Kryptohandys
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Möglich wurde die Festnahme durch einen international koordinierten Ermittlungserfolg. Die Bande kommunizierte über das vermeintlich abhörsichere Kryptohandynetz SkyECC. Allerdings konnten die Ermittler die Geräte knacken und auslesen. Zwei PIN-Codes lassen sich laut Strafverfolgungsbehörden eindeutig dem Kopf der Bande zuordnen. Federführend bei dem Schlag war das FBI. Das österreichische Bundeskriminalamt war über die eigens gegründete "AG Achilles" eingebunden.
Der 44-jährige Iraner soll die Organisation arbeitsteilig geführt und ein eigenes Distributionsnetz aufgebaut haben. Der einschlägig vorbestrafte Mann sitzt wegen Tatbegehungs- und Verdunkelungsgefahr in U-Haft. Die Innsbrucker Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die Bande mindestens acht Millionen Euro erwirtschaftet hat. Die Ermittlungen laufen noch, die Polizei wertet weitere Chats aus.
Sollte sich nachweisen lassen, dass der 44-Jährige übergroße Drogenmengen in Verkehr gesetzt und dabei eine mehrköpfige Bande angeführt hat, drohen ihm nach der österreichischen Auslegung des Suchtmittelgesetzes zwischen zehn und zwanzig Jahre Haft.