ASM Leviasynth im Test – Analoge Wärme trifft auf digitale Präzision

ASM Leviasynth im Test – Analoge Wärme trifft auf digitale Präzision

Tests. 21. April 2026 | 5,0 / 5,0

Geschrieben von:
Pascal Blunk

Auf der NAMM im Januar 2026 wurde mit dem Leviasynth das neueste Instrument aus dem Hause Ashun Sound Machines vorgestellt. Der Synthesizer führt das Bedienkonzept fort, mit dem der Hersteller bereits beim Hydrasynth für Aufsehen gesorgt hat, setzt klanglich jedoch auf eine vollkommen eigenständige Architektur. Das Herzstück bildet eine algorithmische Syntheseform, die digitale Präzision mit echtem analogen Klang kombiniert. Wer im Studio nach komplexen, lebendigen Texturen sucht und dabei nicht auf eine direkte, hardwarenahe Kontrolle verzichten möchte, findet hier ein modernes Hybrid-Instrument, das den Fokus auf eine enorme klangliche Tiefe bei gleichzeitig intuitiver Bedienung legt.

Der ASM Leviasynth ist ein leistungsstarker Hybrid-Synthesizer, der eine innovative Algorithmus-Engine mit einem analogen Filter und einem intuitiven Touch-Bedienkonzept vereint.
Der ASM Leviasynth ist ein leistungsstarker Hybrid-Synthesizer, der eine innovative Algorithmus-Engine mit einem analogen Filter und einem intuitiven Touch-Bedienkonzept vereint. | Foto: Ashun Soundmachines
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ASM Leviasynth Desktop
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ASM Leviasynth Keyboard
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Was macht den ASM Leviasynth aus?

Im Test hat sich das Gerät als eine inspirierende Spielwiese erwiesen, die vor allem durch einen sehr flüssigen Workflow überzeugt. Dank des großen Touchscreens und des ständigen visuellen Feedbacks lassen sich selbst vielschichtige Klangstrukturen zügig umsetzen, ohne dass man sich in tiefen Menüs verliert. Besonders das Zusammenspiel der digitalen Engine mit dem analogen Filter verleiht den Sounds ordentlich Druck und Wärme, die man bei rein digitalen Systemen oft vermisst. Wer jedoch an klassische Bedienmuster gewöhnt ist, wird bei speziellen Funktionen auf punktuelle Eigenheiten stoßen, die ein wenig Umdenken erfordern. Sobald diese Eigenarten des Leviasynth jedoch verinnerlicht wurden, steht einem ungehinderten Arbeitsfluss nichts mehr im Wege.

  • Vielseitige Algorithmus-Matrix: Mit 144 Algorithm-Presets und einer flexiblen Verschaltung lassen sich komplexe Klangstrukturen realisieren, die über klassische Syntheseformen hinausgehen.
  • Hybrider Signalweg: Die Kombination aus über 300 digitalen Wellenformen und einem echten analogen 4-Pol-Filter ermöglicht ein breites Spektrum von kühler Präzision bis zu analoger Wärme.
  • Visuelles Bedienkonzept: Ein hochauflösender Touchscreen liefert direktes Feedback über Oszilloskop, Wellenform-Änderungen und aktive Parameter.
  • Intuitive Komplexität: Das Gerät schafft es, tiefgreifende Synthese-Möglichkeiten durch ein klares Layout und interaktive Beleuchtung auch ohne lange Menü-Tauchgänge zugänglich zu machen.
Dank seines robusten Metallgehäuses und der hochwertigen Bedienelemente erweist sich der ASM Leviasynth als wertiger Synthesizer. ASM Leviasynth von oben.
Dank seines robusten Metallgehäuses und der hochwertigen Bedienelemente erweist sich der ASM Leviasynth als wertiger Synthesizer. | Foto: Ashun Soundmachines

Gehäuse, Haptik und visuelle Führung

Schon beim ersten Auspacken hinterlässt der ASM Leviasynth einen überaus soliden Eindruck, da das Gehäuse vollständig aus robustem Metall gefertigt ist und damit ein ordentliches Eigengewicht von 3,5 kg mitbringt. Während für Keyboard-Enthusiasten eine Version mit 61 Tasten zur Verfügung steht, lag für diesen Test die kompakte Desktop-Variante vor, die sich durch ihren deutlich geringeren Platzbedarf ideal in bestehende Studio-Umgebungen einfügt. Ein besonders praktisches Detail ist hierbei die auf der Rückseite befindliche VESA-Halterung, mit der sich der Synthesizer an einem herkömmlichen Monitorarm befestigen lässt. Dadurch kann das Gerät flexibel über anderen Instrumenten schweben, was im Arbeitsalltag für eine enorme Platzersparnis und eine ergonomische Positionierung sorgt.

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Mehr Informationen

Anstelle einer Klaviatur finden sich auf der Oberfläche der Desktop-Einheit 16 gummierte Pads, die sowohl anschlagsdynamisch als auch poly-aftertouch-fähig sind. Im praktischen Einsatz erweisen sich diese Pads als hervorragendes Werkzeug, um beim Soundschrauben schnell Modulationen zu testen oder erste Sequenzen festzuhalten. Für das filigrane Einspielen komplexer Melodien wird man vermutlich eher auf ein externes MIDI-Keyboard zurückgreifen, doch für die reine Klanggestaltung und das performanceorientierte Triggern von Sounds bieten die Pads eine sehr direkte und ausdrucksstarke Kontrolle.

Das Herzstück der Bedienung stellt der hochauflösende Touchscreen dar, der das zentrale Element für die Navigation durch die Engine bildet. Es zeigt stets die über die Makro-Controller steuerbaren Parameter und sogar die ausgegebene Wellenform an. Die Steuerung über das Touchbedienfeld funktioniert dabei einwandfrei und beschleunigt den Workflow spürbar. Durch diese Kombination aus direkter haptischer Kontrolle und grafischer Unterstützung wird ein Workflow ermöglicht, der selbst bei tiefgreifenden Eingriffen in die Synthese nie an Übersichtlichkeit verliert.

Abgerundet wird das Paket durch eine umfassende Konnektivität, die den Synthesizer zur idealen Zentrale im modernen Setup macht. Neben der üblichen MIDI-Einbindung und der Unterstützung für MPE (MIDI Polyphonic Expression) bietet das Gerät zusätzliche CV/Gate-Schnittstellen. Damit schlägt der Leviasynth die Brücke zur modularen Welt und erlaubt es, die digitalen Modulationen der Engine direkt mit analogem Equipment zu verzahnen.

Mit seiner umfangreichen Konnektivität inklusive MPE-Unterstützung und CV/Gate-Schnittstellen fungiert der ASM Leviasynth als vielseitige Schnittstelle zwischen moderner DAW-Umgebung und modularer Welt.

ASM Leviasynth von hinten.
Mit seiner umfangreichen Konnektivität inklusive MPE-Unterstützung und CV/Gate-Schnittstellen fungiert der ASM Leviasynth als vielseitige Schnittstelle zwischen moderner DAW-Umgebung und modularer Welt.
| Foto: Ashun Soundmachines

Die Oszillator-Engine und das Algorithmus-Morphing

Das klangliche Fundament des Leviasynth wird von einer beeindruckend flexiblen Engine getragen, die Zugriff auf über 300 digitale Wellenformen bietet. Mit insgesamt acht Oszillatoren pro Stimme lassen sich bereits in der Basis extrem dichte und komplexe Grundklänge schichten, wobei die Architektur weit über eine einfache subtraktive Synthese hinausgeht. Anstatt auf starre Verschaltungen zu setzen, wird hier mit sieben verschiedenen Synthese-Modi gearbeitet, die durch das sogenannte Algorithmus-Morphing miteinander verknüpft werden. Dieses Verfahren erlaubt es, stufenlos zwischen verschiedenen mathematischen Modellen der Klangerzeugung zu blenden, was zu organischen Klangverläufen führt, die in ihrer Dynamik oft sehr lebendig wirken.

Der ASM Leviasynth verfügt über 144 unterschiedliche Algorithmen für unterschiedlichste Crossmodulationen der acht Oszillatoren.

Die Algorithmus-Auswahl des ASM Leviasynth.
Der ASM Leviasynth verfügt über 144 unterschiedliche Algorithmen für unterschiedlichste Crossmodulationen der acht Oszillatoren.

Im praktischen Einsatz zeigt sich jedoch, dass das Gerät an einigen Stellen eine ganz eigene Philosophie verfolgt, die sich erst nach einer kurzen Einarbeitungszeit vollständig erschließt. Wer nach gewohnten Standard-Zuweisungen für Funktionen wie die Pulsbreitenmodulation oder den Oszillator-Sync sucht, wird feststellen, dass diese innerhalb der Engine über alternative Wege realisiert werden. Sobald dieses Prinzip jedoch verinnerlicht wurde, offenbaren sich Möglichkeiten, die das klassische Spektrum herkömmlicher Syntheseformen deutlich erweitern. Jede dieser Funktionen verfügt über dedizierte Parameter zur Verhaltenssteuerung, mit denen sich Klangergebnisse erzielen lassen, die weit über bekannte Standards hinausreichen und dem Sound eine ganz eigene Handschrift verleihen.

Eine weitere interessante Entdeckung bei der Klanggestaltung betrifft die Abwesenheit eines dedizierten Rauschgenerators. Um dennoch perkussive Elemente, Schmutz oder atmosphärisches Rauschen zu erzeugen, kann auf die interne Feedback-Funktion zurückgegriffen werden. Wird das Signal innerhalb der Engine gezielt zurückgeführt, entstehen je nach Intensität sehr charakterstarke Klanganteile, die den klassischen Noise-Generator nicht nur ersetzen, sondern durch ihren metallischen und teils unvorhersehbaren Charakter sogar klanglich bereichern. Diese Herangehensweise unterstreicht den experimentellen Charakter des Synthesizers noch einmal, bei dem oft unkonventionelle Wege zu sehr inspirierenden Ergebnissen führen.

Filter-Duo & Modulations-Vielfalt

Nachdem die Oszillatoren das digitale Fundament gelegt haben, wird das Signal zur weiteren Formung in eine zweistufige Filtersektion geleitet. Den Anfang macht dabei ein digitaler Multimode-Filter, der durch eine enorme Auswahl an verschiedenen Filterkurven auffällt. Besonders hervorzuheben ist hierbei die Möglichkeit, bei ausgewählten Filterkurven stufenlos zwischen unterschiedlichen Charakteristiken wie Hochpass, Bandpass und Tiefpass zu morphen. Jede dieser Kurven bringt dabei ihre ganz eigene klangliche Färbung mit, die von klinisch rein bis hin zu markant und dreckig reicht. Wer experimentelle Wege gehen möchte, findet hier zudem spezielle Modi wie einen Formant-Filter für vokalartige Klänge.

Um dem Sound anschließend die nötige Durchsetzungskraft und eine organische Erdung zu verleihen, wird er durch einen echten analogen 4-Pol-Filter geführt. In Kombination mit dem integrierten analogen Drive lässt sich das Signal effektiv sättigen, was den digitalen Ursprung der Wellenformen perfekt ergänzt und für ein warmes, druckvolles Gesamtbild sorgt.

Die Bewegung im Klang wird dabei über eine Modulationsmatrix mit insgesamt 32 Slots gesteuert, die trotz ihrer Tiefe erstaunlich zugänglich bleibt. Ein Highlight im Workflow sind die fünf Hüllkurven sowie die dedizierten Envelopes der acht Oszillatoren, die allesamt über spezielle Bias-Regler beeinflusst werden können. Mit diesen lassen sich die Verhältnisse der einzelnen Segmente mit nur einem Handgriff intuitiv anpassen. Ein entscheidender Vorteil ist dabei, dass durch die Bias-Regler die Zeitverhältnisse der Envelopes zueinander bestehen bleiben, wodurch sie sich in jeder Einstellung musikalisch sinnvoll einsetzen lassen.

Unterstützt wird die Dynamik durch fünf LFOs, die für die meisten Anwendungen sehr weitreichende Möglichkeiten bieten. Wer allerdings vorhat, extrem schnelle Modulationen tief im Audiobereich zu realisieren, sollte beachten, dass die Rate der LFOs bei maximal 150 Hz gedeckelt ist. Während dies für klassische Vibratos, rhythmische Filterfahrten oder organische Texturen keinerlei Einschränkung darstellt, setzt es beispielsweise für spezielle Filter-FM-Effekte eine Grenze. Dennoch bleibt die Modulations-Matrix ein mächtiges Werkzeug, das durch die clevere Verbindung von intuitiver Bedienung und klanglicher Tiefe überzeugt.

Bi-Timbralität & Effekt-Sektion

Ein wesentliches Merkmal, das den Leviasynth für komplexe Live-Performances und aufwendige Studio-Produktionen qualifiziert, ist seine konsequente Bi-Timbralität. Der Leviasynth erlaubt es, zwei vollkommen unabhängige Sounds als Upper- und Lower-Layer gleichzeitig zu nutzen. Diese können entweder über die Tastatur (bzw. die Pads) gesplittet oder geschichtet werden, wobei sich sogar Crossfade-Bereiche auf der Klaviatur definieren lassen.

Je nachdem, welcher Layer gerade im Fokus der Bearbeitung steht, passen sich die Bedienelemente farblich an. Die jeweilige Layer-Farbe lässt sich dabei sogar individuell anpassen. Diese visuelle Rückmeldung sorgt dafür, dass man selbst bei hektischen Schraub-Sessions nie die Orientierung verliert, welcher Part des Multi-Patches gerade bearbeitet wird.

Zur klanglichen Veredelung steht pro Layer eine fest definierte Kette aus vier Effekt-Slots zur Verfügung. Den Anfang macht ein Pre-FX-Slot, in dem aus einer Vielzahl verschiedener Effekte wie Chorus, Flanger, Distortion, aber auch EQs und Compressoren gewählt werden kann. Darauf folgen zwei dedizierte Einheiten für Reverb und Delay, die ausschließlich für diese Raum- und Zeit-Effekte reserviert sind. Den Abschluss bildet ein Post-FX-Slot, der erneut eine freie Auswahl aus dem Effekt-Repertoire ermöglicht. Die Qualität der einzelnen Algorithmen ist durchweg hochwertig, sodass sie perfekt mit der algorithmischen Engine harmonieren und den komplexen Texturen des Leviasynth die nötige Tiefe verleihen.

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Das durchdachte Zusammenspiel aus algorithmischer Flexibilität und einer direkten Bedienoberfläche macht den ASM Leviasynth zu einem vielseitigen Hybrid-Instrument, das komplexe Klanggestaltungen besonders intuitiv erlebbar macht.

ASM Leviasynth von der Seite.
Das durchdachte Zusammenspiel aus algorithmischer Flexibilität und einer direkten Bedienoberfläche macht den ASM Leviasynth zu einem vielseitigen Hybrid-Instrument, das komplexe Klanggestaltungen besonders intuitiv erlebbar macht. | Foto: Ashun Soundmachines

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Fazit

 

 

Gesamtwertung:
4,5 von 5,0
Qualität:  
4,5 von 5,0
Klang:  
5,0 von 5,0
Preis-Leistung:  
4,0 von 5,0

Pro

Intuitives Bedienkonzept trotz komplexer Klangsynthese
Einzigartige algorithmische Engine mit Morphing-Optionen
Analoger Filter verleiht dem digitalen Klang die nötige Wärme 
Durchdachte Bi-Timbralität mit visueller Layer-Führung

Kontra

LFO-Rate auf 150 Hz begrenzt
Kurze Einarbeitungszeit bei speziellen Parameter-Logiken nötig

Preis:

2.399 EUR (ASM Leviasynth Desktop) / 3.299 EUR (ASM Leviasynth Keyboard)

Weitere Informationen gibt es auf der Website von Ashun Sound Machines

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