Carl Cox ist ein international geschätzter DJ, Live-Performer und Producer. Er zählt zu den prägendsten Figuren der elektronischen Musik. 1962 in Manchester geboren, begann er bereits in den späten 1970er-Jahren als DJ, zunächst mit Soul, Funk und Disco. Mit dem Aufkommen von House und Techno in den 1980er-Jahren entwickelte er seinen charakteristischen Stil mit drei Plattenspielern, der ihn schnell weltweit bekannt machte.
Von Vinyl zum digitalen Setup
Doch die Tage der Plattenspieler und analogen Vinyls sind längst Geschichte. Carl hat sein Setup weiterentwickelt und betrachtet diesen Prozess noch lange nicht als abgeschlossen. Seine Grundidee dahinter: Während das Publikum bei klassischen DJ-Sets mit "fertigen” Tracks immer nur ein erwartbares Ergebnis bekommt, möchte er im Kontrast dazu etwas "Unerwartetes” präsentieren. Dabei soll aber sein typischer Carl-Cox-Sound erhalten bleiben.
Mit diesem neuen Ansatz im Hinterkopf hat er seine DJ-Setups immer wieder hinterfragt und bei Bedarf neu aufgestellt. In diesem Feature stellen wir euch einige seiner Schritte von Vinyl zu digital sowie sein aktuelles Setup vor.
Digitales DJ-Setup mit Traktor
Vor einigen Jahren ließ Carl sein klassisches Plattenspieler-Setup hinter sich und stieg auf ein komplettes digitales Setup um. Im Jahr 2017 erklärte er in einem ausführlichen "How I Play"-Video für Playdifferently, das Unternehmen, hinter dem Richie Hawtin steht, seine Arbeitsweise. Sein Setup bestand aus der Software Traktor (zum Test) im Vierdeck-Modus und einem Playdifferently Model 1 Mixer (zum Test). Zur Kontrolle der Tracks kamen die Pioneer-DJ-CDJ-2000NXS2-Player (zum Test) und die ergänzenden Traktor Kontrol D2 (zum Test) zum Einsatz.
In diesem Setup nutzte er die Pioneer-DJ-Player, um seinem Publikum zu verdeutlichen, dass er trotz des Einsatzes eines Computers "live" arbeitete. Ihm war es auch wichtig, Controller mit Displays zu verwenden, um Blicke auf den Computerbildschirm zu vermeiden. Er entschied sich für den Mixer Model 1, der statt EQs mit Filtern ausgestattet ist, da er vor allem die umfassenden Soundformungsmöglichkeiten schätzte. Er betrachtete das Gerät eher als Instrument und weniger als reines Mixing-Tool.
Entwicklung eines Hybrid-Live-Setups
In der "Corona"-Zeit, als viele Clubs geschlossen waren und Festivals abgesagt wurden, entschied sich Carl, sein Setup noch einmal zu überdenken und die Integration von Live-Elementen weiter auszubauen. Das Ergebnis war ein Hybrid-Live-Setup, das es ihm ermöglicht, das reine Spielen von Tracks weiter in den Hintergrund zu drängen.
Hier seht ihr das Setup im Live-Einsatz:
Das Zentrum dieses Setups bildete Ableton Live auf einem MacBook Pro. Das Programm wurde sowohl zum Triggern von Bassdrum-Sounds als auch zur Wiedergabe kompletter Tracks genutzt. Zudem diente die Software zum Senden von MIDI-Clock und zur Synchronisation aller weiteren Geräte.
Ableton Live im Zentrum
Zur komfortablen Steuerung von Clips und zahlreichen anderen Softwareparametern kamen der Pad-Controller Ableton Push (zum Test) und das auf Parametersteuerungen spezialisierte Gerät Novation Launch Control XL (zum Test) zum Einsatz. Beide Geräte machten das Touchpad des Rechners nahezu überflüssig und sorgen zudem dafür, sodass Carl nicht mehr permanent auf den Computerbildschirm starren musste. Die Soundausgabe erfolgte über das sehr gut klingende MOTU Ultralite mk5 Audiointerface mit 18 Eingängen und 22 Ausgängen.
Der weitere Fokus von Carls Setup lag aber klar auf Synthesizern und Drummaschines in Form von Hardware, um auch hier zu zeigen "Hey, ich mache das alles selbst und live".
Seine Arbeitsweise erklärte er in eigenen Worte wie folgt:
"I hear a track, find a good loop area, and I basically make a track from that loop. Then I work that, and take the channel from the Ableton out, and already have another new track being created. So I use that as my paint board.”. (Quelle)
Carl Cox Setup-Video von 2023:
Synthies und Drummaschines
Um Acid-Basslines erzeugen zu können, verwendete er den Avalon Synth von Abstrakt Instruments, der vor einigen Jahren über den Berliner Spezialvertrieb Schneidersladen erhältlich war. Bei dessen Konstruktion wurden Bauteile des Original-Roland-TB-303, wie Widerstände, Kondensatoren und ICs, verwendet. Heute ist das Gerät leider nur noch auf dem Gebrauchtmarkt verfügbar.
Ergänzend kam der digitale Drumsynthesizer LXR-02 von Erica Synths zum Einsatz. Das Instrument verfügt über einen internen Sequenzer mit bis zu 64 Steps pro Spur und generiert Kicks, Toms, Snares usw. Sechs Perkussionsinstrumente lassen sich parallel nutzen und mit Effekten wie Drive, Ringmodulator und Delay modifizieren.
Mit dem Pulsar-23 von SOMA setzte Carl einen recht ungewöhnlichen, experimentellen Drum-Synthesizer ein. Das vierstimmige, semimodulare Gerät besteht aus 23 Modulen und erzeugt neben perkussiven Elementen auch Glitches und Drones. Über 119 Patchpunkte lassen sich komplexe Soundschaltungen realisieren.

Zur Erzeugung typischer Dance-Percussions, Rolls und Fills im Stil der TR-909 und TR-808 diente der virtuell-analoge Drumcomputer Roland TR-8 (Aira), der 2014 auf den Markt kam und den Zusatz "Rhythm Performer" trägt. In Tests wurde immer wieder seine Live-Tauglichkeit unter Beweis gestellt. Hersteller-Link
Carl ist ein großer Moog-Fan und nutzte daher die beiden Moog-Geräte Subharmonicon und DFAM, die auch als Kombination Moog Sound Studio zu finden sind. Der Subharmonicon ist ein polytonaler, semi-modularer Synthesizer mit zwei analogen Oszillatoren und einem resonanzfähigen Moog-Ladder-Filter. Der DFAM ist ein semi-modularer, analoger Percussion-Synthesizer mit zwei Oszillatoren, die Rechteck- und Dreieck-Wellenformen erzeugen, sowie einem White-Noise-Generator. Carl verwendete diese Kombination, wie er es nannte, für "Organic Grooves".
Sounddemos der Kombo:
Mischpult und Signalveredelung
Die Bearbeitung der Sounds aus allen Signalquellen fand im Mixer statt. Hier setzte Carl bereits seit Längerem auf den sechskanaligen Pioneer DJ DJM-V10, den er als "Gamechanger" bezeichnete. Der DJM-V10 gilt mit seinen Vierband-EQs, resonanzgekoppelten Filtern sowie Beat- und Send-Effekten als Kreativ-Tool. Zusätzlich bietet das Gerät einen Dreiband-Master-Isolator. Hersteller-Link
Zur Perfektionierung des Klangs kam am Ende der Kette der kompakte Stereo-Prozessor DOCTron IMC zum Einsatz. Das zugegebenermaßen recht teure Gerät (da in Kleinserie hergestellt) arbeitet mit einem Zweiband-Shelving-Equalizer, einem VCA-Kompressor und Drive. Entwickelt wurde es von Martin Stimming, einem Elektronik-Musikproduzenten aus Hamburg, dessen eigene Produktion "Una Pena" sowie seine Remixe für Nina Kraviz, Stephan Bodzin und Deadmau5 in der Szene große Beachtung fanden.
Aktualisiertes Hybrid-Live-Setup
Aber Carl wäre nicht Carl, wenn er sein Setup nicht ständig überdenken und weiterentwickeln würde. Das Grundsetup mit Ableton Live, Push und Launchpad als Controller sowie dem Pioneer-DJ-Mischpult ist allerdings bis heute unverändert geblieben.

Das neue Equipment kam beim Ultra Music Festival 2025 in Miami zum Einsatz:
Mit dem Moog Sub 37 kam ein waschechter Synthesizer mit Keyboard neu hinzu, der mittels Step-Sequenzer und Arpeggiator zum Leben erweckt werden kann. Für den ikonischen Moog-Sound ist unter anderem das klassische Moog-Filter an Bord. Carl nutzt den Sub 37 für Basslines und Sting-Arrangements.
Eine weitere neue Komponente ist der Moog Labyrinth, der den Subharmonicon als Partner für den DFAM ablöst. Der Labyrinth, ausgestattet mit Sinus- und Dreieck-Oszillator, ist schwer gezielt einsetzbar und bietet einen Wavefolder sowie ein Tiefpass-/Bandpassfilter zur Bearbeitung. Durch den Zufallsfaktor entstehen willkommene perkussive Elemente, die Carls Set spannender machen.

Carl hat außerdem den Roland TR-8 Drumcomputer durch das neuere Modell TR-8S (zum Test) abgelöst, das mit einer PCM-Sample-Engine ausgestattet ist und das Importieren eigener Samples ermöglicht. Zudem bietet es durch FM-Drums und ein Hybrid-Layering eine größere Soundvielfalt. Auch die Variationsmöglichkeiten beim Live-Spielen sind umfangreicher.

Das Video, in dem ein Großteil seines aktuellen Hybrid-live-Setups vorgestellt wird, findet ihr im unten stehenden Link, es wurde vom australischen Musiker-/DJ-Kollektiv Noisegate aufgenommen.
Carl Cox x Moog Labyrinth – Inside His All-New 100% Live Electronic Show: