Seit den Leaks Mitte März 26 spekuliert das Internet über die möglichen Features und Anwendungsbereiche der neuen MPC Sample von AKAI. Der Hersteller selbst verspricht den ikonischen MPC-Workflow im Standalone Format für wenig Geld und will mit dem Produkt "eine neue Generation” ansprechen. Wir zeigen euch, was das Teil in der Praxis taugt und beschäftigen uns mit der Frage: Does it Techno?
Quick Facts
- MPC-Workflow von Fingerdrumming bis (Re-)Sampling und Editing
- Step Sequenzer mit bis zu 128 Takten und 32 Stimmen Stereo-Polyphonie
- Vier Effect Engines mit stolzen 60 FX-Types
- 8 GB interner Speicher, erweiterbar via microSD
- Integrierter Akku mit 5h Laufzeit, eingebauter Lautsprecher und Mikrofon
Verarbeitung und Lieferumfang
MPC Sample ist nicht unbedingt das schönste Produkt im Arsenal von AKAI Pro. Während das Vintage-graue Design bei MPK Mini IV noch ziemlich schick aussieht, wirkt der Kontrast zu den vielen bunten Bedienelementen der MPC Sample doch etwas spielzeughaft. Abgesehen davon ist das 236 x 194 x 50 mm Plastikgehäuse hochwertig verarbeitet und mit ??? g Gewicht angenehm leicht.
Mit dem Gesamtpaket aus aufladbarem Akku, Lautsprecher und Mikrofon ist MPC Sample ein hervorragender Reisebegleiter. Das relativ kleine 2,4" Farbdisplay schafft es, die vielen Informationen gestochen scharf darzustellen und den Workflow zu erklären. Im Lieferumfang befinden sich noch ein 1m USB-C auf USB-C Kabel, ein beidseitig bedruckter Quickstart Guide sowie das obligatorische Safety & Warrenty Manual. .
MPC Sample: Anschlüsse
Die Anschlüsse der MPC Sample bestehen vorwiegend aus Klinkenbuchsen: Phones, Sync Out und MIDI I/O bei 3,5 mm bzw. Audio Ins und Outs in 6,35 mm. Passende MIDI-Adapter werden nicht mitgeliefert und bisher behalten AKAI für sich, ob ihr USB-MIDI-Typ-A oder -B braucht. Der USB-C-Port ist für die Stromzufuhr gedacht, kann aber auch Audio und MIDI streamen, Samples transferieren und sich um Firmware-Updates kümmern.

Knobs, Pads und Fader
Das wichtigste Bedienelement einer MPC ist die 4x4 Pad-Matrix, um die auch der Workflow der MPC-Sample aufgebaut ist. Die "große” Überraschung: Die RGB-Pads sind mit einer Seitenlänge von 2 cm ziemlich klein. Das hat Vor- und Nachteile, ich war am Ende aber total zufrieden mit der Spielbarkeit. Keine Fehl-Trigger und gut spielbare Velocity-Abstufungen samt Aftertouch.
.Die Potis haben es mir weniger angetan. Weil die Knobs viele verschiedene Parameter ansteuern, müssen wir mit viel Catchup klarkommen, was bei der Empfindlichkeit der Regler eine Menge Fingerspitzengefühl erfordert. Dafür sind Drehwiderstand und Verarbeitung top. hinzu kommt ein 4cm Fader, der Volume, Pan, Tune, Attack, Decay, Cutoff und Kit-Volume steuern kann. Das ist zwar ein cooles Gimmick, hat aber dasselbe Catchup-Problem.

Sample Mode
Passend zum Namen beschreibt AKAI den Sample View als Hauptansicht des MPC-Sample-Workflow. Im Display wird die Wellenform des Samples angezeigt, das sich über die drei Menüpunkte Trim, Tune und Filter justieren lässt. Schade ist, dass das Verschieben der Start- und Endpunkte in Prozent angegeben wird. Auch wenn mittels Shift-Kombi sehr feine Einstellungen möglich sind, wären Ticks als Maßeinheit praktischer.
Über mehrfaches betätigen der Funktionstaster überm Bildschirm sind noch weitere Parameter erreichbar: Loop-Points, Volume und Pan, eine Amp-Hüllkurve mit Attack und Decay, Velocity-Empfindlichkeit des ausgewählten Pads, Mute Groups, Mono-/Poly-Settings, sieben Filter mit Resonanz und AD-Envelope sowie Tuning und Warp. Letzterer bietet zwei Timestretch-Algorithmen die entweder mit oder ohne Veränderung der Tonhöhe arbeiten.
Pad Play Pt1: Chops und Loops
Die Pad-Play-Sektion oben rechts bietet noch mehr Utility. Im Chop-Bereich könnt ihr euer Sample in vier, acht oder 16 Regionen aufteilen, die sich dann über die RGB-Pads abspielen lassen. Die einzelnen Start- und Endpunkte können nachjustiert oder von vornherein manuell gesetzt werden. Die Loop-Funktion "nur” die Abspielrichtungen vorwärts und rückwärts. Die Loop-Points werden wieder per Prozent verschoben – Trial and Error sind vorprogrammiert!
Pad Play Pt2: Note On, 16 Levels und Mute
Der Pad-Play-Bereich wird von einem Mute-Modus, Note-On-Feature und 16 Levels abgerundet. Im Mute-Modus könnt ihr eure Sounds via RGB-Pads muten, wobei eine rote Beleuchtung anzeigt, welche Sounds inaktiv sind. Via Shift lassen sich alle Pads gleichzeitig entmuten – ideal für Drops! Note On wird pro Pad aktiviert und spielt das Sample nur so lange, wie es gehalten wird, wobei das Abklingverhalten vom Amp Envelope abhängt.
16 Levels ist im Sampler-Bereich ein gängiges Feature, bei dem Velocity nicht über eure Anschlagstärke bestimmt wird, sondern die 16 RGB-Pads nutzt, um gezielt verschiedenste Abstufungen einzuspielen. MPC-Sample hat die Funktion raffiniert erweitert und bietet denselben Workflow für Tune und Filter. So könnt ihr eure Samples chromatisch spielen oder präzise Filter-Sprünge umsetzen.

Der Sequencer im Überblick
Der Sequenzer der MPC Sample bietet sage und schreibe 128 Takte Maximallänge, optionale Quantisierung, Subdivisions von Achtel bis 32tel samt triolischen Varianten, klassischen MPC Swing sowie aufnehmbare Automationen. Was für einen Sampler dieser Preisklasse erstmal überraschend gut klingt, geht in der Praxis leider nur bedingt auf, weil der Workflow auf die klassische Lauflichtprogrammierung verzichtet.
Bevor wir uns meiner Kritik widmen, folgen hier ein paar positive Facts: AKAI MPC Sample arbeitet mit 32 Stereo-Stimmen Polyphonie. Für die Automationen stehen Volume, Tuning, Pan, Velocity, Sensitivity und Offset sowie die Parameter der Filter und Envelopes zur Verfügung. Außerdem lassen sich pro Bank bis zu 16 Patterns speichern – insgesamt 128! Diese können über die RGB-Pads abgerufen oder via Songmode verkettet werden.
Step Edit
Die Echtzeitaufnahme mit integriertem Metronom und justierbarem Count In funktioniert super, beim Step Edit wird es jedoch holprig: Statt gezielt Steps auswählen zu können, müssen wir von vorne bis hinten durch die Takte Scrollen, bis wir an der gewünschten Stelle angelangt sind, um Samples zu platzieren. Weitere Eingewöhnung erfordert die PPQN-Aufteilung, die nicht in Subdivisions, sondern 240, 480 oder 720 Ticks denkt.
Am nervigsten ist aber, dass das Step-Editing nur bei angehaltener Wiedergabe funktioniert. Sobald die Sequenz läuft, scrollt MPC-Sample automatisch durch die Subdivisions. Dafür haben mir die gut erreichbaren Double- und Half-Seq-Funktionen gefallen, mit denen sich die Sequenzen easy duplizieren lassen. Mein Tipp: schnell eine 4/4 Kick oder Ähnliches zur Orientierung in den Step Edit knallen und mit Realtime Recording weitermachen!
Die Effekte Pt1: Compressor, Flexbeat und Pad-FX
Die vier Effekt-Engines verteilen sich auf einen Color-Compressor, Pad- und Knob-FX sowie Flex Beat. Der Compressor hat ein eigenes Menü, in dem sich Attack, Release, Amount und Input-Gain regeln lassen. Makeup Gain wird automatisch kalkuliert und es gibt kein Sidechain Feature. Der Compressor kann aber trotzdem ordentlich pumpen und liefert eine schöne Färbung, die an Tape Saturation erinnert.
Flexbeat sorgt für Trance-Gate-Effekte, DJ-Scratches und verschiedene Kombinationen aus Pitch- und Volume Chops, die sich über die 16 RGB-Pads auf euer Pattern legen lassen. Auch die Pad FX wirken auf die gesamte Sequenz und können ebenfalls über die Pads aktiviert werden: Mittels Aftertouch steuert ihr die Intensität des Effekts und über die drei Potis lassen sich zusätzliche Parameter steuern.
Die Effekte Pt2: Knob-FX und Einschränkungen
Die Knob-FX kommen am ehesten an klassische Send-FX-Funktionalität ran und haben den Vorteil, dass die Pads für andere Funktionen – Recording, Pad-FX, Flex Beat, you name it – frei bleiben. Außerdem bieten sie mit 28 Effekttypen und bis zu sechs steuerbaren Parametern pro Effekt eine Menge Auswahl. Welche Samples in den Genuss der Knob-FX kommen, lässt sich im entsprechenden Menü über die RGB-Pads bestimmen.
Der Nachteil: Ihr könnt pro Projekt nur einen aktiven Knob-Effekt haben. Weil die anderen Effekttypen zwangsläufig auf den Master greifen, schränkt das den praktischen Nutzen der MPC-Sample-Effekte ziemlich ein. Es gibt zwar viele Performance-taugliche Pad-FX, wie Filter und Half Speed oder Set-and-Forget-Kram, wie Vinyl-Noise, die meisten der anderen Effekte sind aber eher fürs Resampling zu gebrauchen.
Does it Techno?
Beim Scrollen durch die Library wird klar, dass MPC Sample primär für Hip Hop und House konzipiert ist. Bass und Percussion bieten zwar brauchbare Optionen, allerdings fehlen Synth Chords oder düstere Industrual Sounds. Für Techno müsst ihr also kreativ Resamplen oder eigene Samples importieren. Sind erstmal Sounds und Patterns im Kasten, kann man mit den Performance Effekten, Mute-Modi und Patternchaining aber durchaus Spaß haben!
Problematischer ist der eingeschränkte Sequenzer. Es ist zwar möglich, alle Patterns in Echtzeit aufzunehmen, klassisches Step-Sequencing finde ich aber effizienter. Außerdem gibt es keine unabhängigen Sequenzer-Längen pro Sound bzw. Pad oder Abwechslung via Probability. Der fehlende Sidechain ist für mich weniger problematisch, dafür sind mir die Knob-FX als einziger Send-Effekt deutlich zu wenig. Does it Techno? Mit Abstrichen!
Alternativen
Fazit
An sich ist MPC Sample von AKAI ein gelungener Sampler für den Low-Budget-Bereich, hat in Form von SP-404 oder Ableton Move aber eine ziemlich starke Konkurrenz. Von den dreien finde ich das Display der MPC-Sample am besten, weshalb mir die Sample Bearbeitung und der allgemeine Überblick hier mehr Spaß gemacht haben. Die kleinen Pads sind zwar für viele ein Dealbreaker, ich hatte mit dem Spielgefühl aber ein Instant-Match.
Bei SP-404 gibt es keine integrierten Lautsprecher, Akku oder Mikrophon und Ableton Move bietet weniger Audio Spuren und Sounddesign Features. Rolands Sampler hat einen FX-Bus mehr und einen hochwertigen XLR-Eingang, aber weniger Effekttypen. Checkt hier unbedingt die Details, dann könnt ihr euch vielleicht 100 Euro sparen! TE EP-133 ist noch günstiger und hat sogar sechs FX-Busse, aber weniger Speicherplatz.
Pro
Standalone MPC zum fairen Preis
Ideal für unterwegs
Hochwertige RGB-Pads mit erstklassiger Ansprache
Gut lesbares Display mit strukturiertem Inhalt
128 Takte Sequenzerlänge
60 gut klingende Effekte
innovative Pad-FX
Kontra
Holpriges Step Sequencing
keine Endlos-Encoder/Viel Catchup
nur ein Send-Effekt
Preis:
389 EUR
Weitere Informationen gibt es auf der Website von AKAI Pro.
0 Kommentare zu "AKAI MPC Sample im Test – Liebling, ich habe die MPC geschrumpft!"