Die Sicherheitslage für queere Menschen in Deutschland hat sich im vergangenen Jahr drastisch verschlechtert. Im Jahr 2025 wurden insgesamt 2.048 queerfeindliche Straftatenpolizeilich registriert. Diese Zahl umfasst sowohl Delikte aufgrund der sexuellen Orientierung als auch Straftaten gegen trans- oder intergeschlechtliche Personen.
Alarmierende Entwicklung
Besonders alarmierend ist die langfristige Entwicklung: Seit 2010 haben sich die Straftaten in diesem Bereich nahezu verzehnfacht. Ein Rückgang ist trotz öffentlicher Debatten nicht in Sicht. Fachleute weisen darauf hin, dass die offiziellen Zahlen nur die Spitze des Eisbergs darstellen. 96 Prozent der Betroffenen bringen Hassrede nicht zur Anzeige; bei körperlichen Übergriffen sind es 87 Prozent, so eine Studie der Europäischen Agentur für Grundrechte (FRA).
Die Gründe hierfür sind vielfältig: Viele Opfer stufen die Taten als "nicht ernst genug" ein oder fürchten diskriminierende Reaktionen seitens der Ermittlungsbehörden. Auch die aktuelle "LeSuBiA"-Dunkelfeldstudie bestätigt, dass queere Menschen überproportional häufig Opfer von Gewalt werden, diese aber selten statistisch erfasst wird.
"Dieses Schweigen ist kein individuelles Versagen, sondern Ausdruck von Angst und offenbar fehlenden Zugängen zu Hilfe", so Bundesfamilienministerin Karin Prien (CDU). Man müsse deshalb Gewalt verhindern, bevor sie entsteht. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CDU) will außerdem die Opfer von Gewalt in den Mittelpunkt stellen. Und: "Der Einsatz von K.o.-Tropfen wird künftig so geahndet wie der Einsatz einer Waffe."
Politischer Kurswechsel
Während die Gewalt zunimmt, wächst in der Community die Enttäuschung über die aktuelle Bundespolitik. Der unter der Vorgängerregierung gestartete Aktionsplan "Queer leben", der Deutschland queerfreundlicher machen sollte, wurde unter Bundeskanzler Friedrich Merz faktisch für beendet erklärt. Das Familienministerium betrachtet den Prozess als "planmäßig abgeschlossen". Kritiker:innen sehen darin ein fatales Signal.
Zusätzliche Symbolpolitik verschärft die Spannungen: So sorgte die Entscheidung von Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU), die Pride-Flagge am Reichstagsgebäude während des CSD nicht mehr zu hissen, für scharfe Kritik. Menschenrechtsorganisationen wie Human Rights Watch warnen in ihrem aktuellen Report 2026, dass die Zunahme von Homophobie oft ein Frühwarnsystem für den allgemeinen Abbau von Menschenrechten und Demokratie in einer Gesellschaft sei.
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