Trenddroge Ketamin: Konsum in der Schweiz steigt massiv an
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Trenddroge Ketamin: Konsum in der Schweiz steigt massiv an

News. 20. Februar 2026 | 0 / 5,0

Geschrieben von:
Christoph Benkeser

Das Abwasser lügt nicht: Neue Messungen der Eidgenössische Wasserforschungsanstalt Eawagzeigen eine drastische Zunahme von Ketamin- und Crack-Rückständen in Schweizer Städten. Besonders das Zürcher Nachtleben scheint den Konsumtrend massiv zu befeuern. 

Während klassische Drogen wie Cannabis und das gefährliche Crystal Meth leicht rückläufig sind, boomen Party-Substanzen und Crack. Vor allem Ketamin, in der Medizin als Narkosemittel bekannt, hat sich fest in der Schweizer Clubszene etabliert. Die Daten des Monitoring-Portals Dromedario verdeutlichen den Trend. Die Ketaminwerte in der Limmatstadt liegen massiv über dem Schweizer Durchschnitt aller zehn Messstandorte. Da die Rückstände an Samstagen und Sonntagen sprunghaft ansteigen, geht man primär von Freizeitkonsum aus.

Ein Trend kristallisiert sich heraus

Neben Zürich verzeichnet vor allem Chur besorgniserregend hohe Werte des Crack-Abbauprodukts AEME, ebenfalls mit deutlichen Spitzen an den Wochenenden. Im Gegensatz dazu zeigt die Analyse, dass der Konsum von Methamphetamin (Crystal Meth) seit 2021 schweizweit leicht zurückgeht. Auch bei Cannabis liegen die Werte des THC-Abbauprodukts in der ersten Jahreshälfte 2025 etwas niedriger als in den Vorjahren.

Hinter diesen Zahlen steht eine weitreichende organisatorische Neuerung: Die Eawag wurde offiziell zum nationalen Referenzzentrum für Abwassermonitoring ernannt. Die Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) wurde langfristig auf zehn Jahre festgeschrieben. Trotz der Institutionalisierung betont Co-Projektleiter Christoph Ort, dass man keine "Abwasserpolizei" sei. Gezielte Messungen, etwa um den Cannabiskonsum an Schulen zu überwachen, lehnt die Eawag strikt ab. Das Projekt bleibt ein Instrument der Forschung und der allgemeinen Gesundheitsvorsorge.

Abwasser schlägt europaweit Wellen

Die Schweizer Ergebnisse spiegeln einen breiteren europäischen Trend wider. Aktuelle Abwasseranalysen aus anderen Ländern zeigen teilweise noch drastischere Entwicklungen. So registrierten ähnliche Monitorings in Großbritannien 2025 ebenfalls einen starken Anstieg bei Ketamin. Auch das abwasserbasierte Monitoring in Österreich stellt einen Anstieg bei Kokain und Amphetaminen fest. Expert:innen betonen hier, dass Drogen längst kein Großstadtproblem mehr sind da die Verfügbarkeit über das Internet den Konsum bis in die entlegensten Täler getragen hat.

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Mehr Informationen

Während die Schweiz das Monitoring institutionalisiert, zeigt eine aktuelle Untersuchung des NDR, dass das Thema in Deutschland oft an medialem Engagement hängt. Auf Initiative des Senders untersuchte die TU Dresden das Abwasser in Mecklenburg-Vorpommern. In Regionen wie Neubrandenburg und Neustrelitz zeichnete sich ein starker Anstieg im Ketaminkonsum ab. Die Werte liegen mittlerweile über dem deutschen Durchschnitt aller getesteten Standorte von 2024. 

Trotz der klaren Datenlage offenbart der Fall eine politische Kluft. Während das Land Mecklenburg-Vorpommern in Prävention investiert, halten sich Kommunalpolitiker oft zurück. Der Oberbürgermeister von Neubrandenburg, Nico Klose, erklärte etwa, er sehe "konkrete Drogenpolitik" für seine Stadt als "nicht notwendig” an, da die Zuständigkeiten unklar seien. Diese Haltung steht im Kontrast zur Schweiz, wo die Eawag nun als nationales Referenzzentrum eine zentrale, staatlich gestützte Rolle einnimmt.

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