Die besten DJ-Kicks-Mixe von !K7

Die besten DJ-Kicks-Mixe von !K7

Features. 14. Januar 2026 | 4,5 / 5,0

Geschrieben von:
Christoph Benkeser

DJ-Kicks ist eine Mixreihe, die seit 30 Jahren erfolgreich so tut, als wäre sie eine TÜV-Prüfung für musikalische Glaubwürdigkeit Einmal bestanden, und man darf offiziell sagen, dass man wirklich auflegt. Nicht dieses Bluetooth-Box-am-Badesee-Auflegen. Sondern das mit Ahnung, mit Backkatalog. Mit unverständlichen Entscheidungen.

Die Reihe erschien 1995 zum ersten Mal. Inzwischen haben 87 DJs für das Berliner Label !K7 gemischt. Marcel Dettmann war da. Kruder & Dorfmeister schon früher. Zuletzt auch: Modeselektor, Quantic, Eris Drew. Ihre Mixe krönen Karrieren. Leiten Rettungsaktionen für Genres wie Deep House oder Drum’n’Bass ein. Und versauen mitunter nächtelange Diskussionen über den perfekten Übergang.

Dass wir aus all diesen Sets "die besten" herauspicken wollen, ist natürlich ein Witz. Es ist wie zu behaupten, man hätte die interessantesten Leute einer Technoparty gefunden. Natürlich hat man das nicht. Man hat einfach nur die entdeckt, die einem nicht sofort auf die Nerven gingen. Deshalb also: elf Vorschläge mit bestem DJ-Kicks-Gewissen.

Thievery Corporation (1999)

Okay, Angebot: eine halbe Weltreise im Handgepäckformat, aber ohne diesen verkrampften Globetrotting-Narzissmus, den "Ethno-Electronic"-DJs peinlich perfektioniert haben. Dafür mit der Art von Sound, die Leute damals als "Downtempo" bezeichnet haben, bevor das Wort durch Kaffeehaus-Playlisten zu Tode gestreichelt wurde. 

Was Thievery Corporation machen, ist eigentlich eine frühe Form von Identitätspolitik im Clubkontext. Sie zeigen dir, dass Herkunft egal ist, solange es schön schunkelt. Reggae, Bossa, Dub, indisches Klimbimtsching – es darf alles rein, solange es nicht nach Sonnenbrand im Surferparadies klingt. Und das tut es nicht. Nie.

1999 war das der Soundtrack für Menschen, die im Internetcafé ihre ersten E-Mails schrieben und dabei so aussehen wollten, als würden sie sehr viel über Weltpolitik wissen. Heute hört man das und denkt: Ach, es gab wirklich einmal eine Zeit, in der die Zukunft noch gemütlich klang. Es ist das Geheimnis dieser DJ-Kicks: Sie ist kein Mix. Sie ist eine letzte Zigarette vor dem Millennium. Und ja: immer noch besser als jede "Weltmusik"-Playlist von heute.

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Nicolette (1997)

Stellen wir uns eine Welt vor, in der Drum’n’Bass nie zur Proletenfitnessmusik degeneriert ist, sondern eine queere, verwinkelte Avantgarde geblieben wäre. Nicolette, damals schon sowas wie die heimliche Intellektuelle der Breakbeatbubble, mixt hier keine "Tracks", eher Möglichkeiten. Jede Nummer klingt wie ein Mitdenkexperiment: Was passiert, wenn man Eleganz mit Chaos kreuzt und das Ergebnis dann auf 160 bpm beschleunigt? Jau, man bekommt diesen Mix, der 1997 vermutlich nur von drei Leuten verstanden wurde — und zwei davon waren auf Keta bei Metalheadz im Blue Note.

Nicolette zieht da Breakbeats auseinander wie Kaugummi, füllt die Zwischenräume mit seltsamen Vocals, und plötzlich wirkt das alles wie ein Manifest. Oder das Gegenwartsgegenteil davon. War ja alles schon mal experimenteller. Und mutiger. Und weiblicher. Während die meisten 1997 damit beschäftigt waren, die gute alte Rave-Ära in wasserfestem Textmarker nachzumalen, hat Nicolette einfach ein komplett neues Blatt angefangen. Vielleicht machen wir das mal wieder, zur Abwechslung.

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Maya Jane Coles (2012)

2012 beweist Maya Jane Coles, dass Deep House nicht tot, sondern nur unter den Ibiza-Bros begraben ist. Dafür hebt sie das Genre wie ein vermisstes Haustier aus dem Schutt und sagt: "Beruhigt euch, ich mach das schon."

Der Mix klingt wie ein Spaziergang durch eine Stadt, in der es immer drei Uhr früh ist, aber ohne die Peinlichkeit des "Afterhour-Vibe"-Geschwafels. Es ist eine DJ-Kicks, die mit der Präzision eines Oberarztes nach zwei Dopplern aufräumt: Keine Überflüssigkeiten, kein Fickificki. Nur Beats, die wissen, was sie tun, weil sie es schon immer so getan haben. Und … urplötzlich ist Deep House wieder sexy. Aber auf diese erwachsene, schwarze-Kleidung-und-zu-viel-Innenleben-Art.

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Disclosure (2021)

Einmal kurz beweisen, dass man mehr kann als Charthousemukke für Leute, die Aperol Spritz als Charaktereigenschaft angeben. 2021 war das Jahr, in dem der Club noch halb im Lockdown hing, alle irgendwas mit Streaming probierten und Disclosure dieses Mixtape machen. Eines, das eigentlich gar kein Mixtape ist, sondern ein Flirt mit der Idee, dass Dance Music wieder spannend sein darf – selbst wenn man dabei saubere Sneakers trägt.

Der Mix ist eine Liebeserklärung an UK-Garage, aber ohne Nostalgiefilter. Keine Insta-Story aus dem Jahr 1999, sondern eher: Was passiert, wenn man die alten Rhythmen abstaubt, sie einmal durch so ein Dyson-Filter-Ufo zieht und mit Handkuss zurücklegt? Ja, ja: ein Mix, der so glatt ist, dass man darauf ausrutschen könnte, und gleichzeitig so versiert, dass man sich fragt, warum andere Acts in dieser Liga so unverschämt bequem geworden sind.

Disclosure zeigen hier eine Art erwachsene Verspieltheit. Kein "Seht her, we made it!", sondern eher: "Wir wissen, woher wir kommen, und ey, wir können es immer noch!" Man hört das und denkt: Vielleicht wäre die Welt ein besserer Ort gewesen, wenn alle während der Pandemie einfach diese DJ-Kicks gehört hätten, statt Bananenbrot zu backen.

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Stacey Pullen – DJ-Kicks (1996)

Stacey Pullen ist der Typ, der immer wirkt, als hätte er Detroit persönlich erfunden, aber höflich genug ist, das nie zu behaupten. Ein Gentleman-Detroiter – als wären Techno und Benimmregeln plötzlich kompatibel. Seine DJ-Kicks hingegen: dieser Moment, in dem man merkt, wie sehr sich die Reihe damals noch suchte. Und wie cool sie dabei klang. Kein Seminarraum-Gestank, kein Signature-Sound – stattdessen schlicht ein Typ, der die Welt wissen lässt, was Rhythmusdisziplin bedeutet. In einem Paralleluniversum wäre diese DJ-Kicks Pflichtlektüre im Philosophiestudium. In diesem Universum reicht es, sie aufzulegen und zu so tun, als verstehe man alles.

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Erlend Øye (2004)

Der einzige Mensch, der einem Indie-Kid beibringen konnte, wie man aus Slimfithosen rauskommt, mixt hier nicht im klassischen Sinn. Er singt darüber. Er murmelt und nuschelt und tut so, als wäre das alles ein sehr privater Karaoke-Abend, nur halt mit besserem Musikgeschmack.

2004 war das noch: ein Anti-DJ-Mix. Bisschen schief, bisschen nerdig, aber so charmant, dass man es ihm nicht übelnehmen kann. Während alle anderen versuchten, immer schneller und professioneller zu sein, bringt Øye dieses unperfekte Strahlen rein, das man heute nur noch aus Filmen kennt, in denen Menschen echte Gefühle haben und nicht nur Push-Nachrichten.

Der Mix ist ein einziger, unpeinlicher Liebesbrief an House, Pop, die Melancholie dazwischen. Und natürlich an die Idee, dass man sich auch mal lächerlich machen darf. Vielleicht sogar lächerlich machen muss. Seine Gesinge wirkt jedenfalls wie hingeatmet, spontan, fast zu intim. Es zeigt aber, dass Clubmusik nicht immer nach Nacht klingen muss. Manchmal klingt sie einfach nach keine Termine und leicht einen sitzen.

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Lone (2017)

Da baut jemand eigentlich ein Videospiel-Level, in das man rückwärts hineinstolpert. Macht Sinn. Ist ja 2017, die große Zeit der Retro-Futuristen: Alle suchten verzweifelt nach irgendetwas, das nach Wühlkisten bei Humana riecht, aber nicht wie ein 90er-Revival-Bierbauch aussieht.

Es wirkt, als hätte er seine komplette musikalische Erziehung — Warp Records, frühe Jungle-Tapes, Nintendo-Soundtracks, IDM-Bastelstunden — durch so ein Pink-Floyd-Prisma gejagt, das alles in Zuckerlicht verwandelt. Jeder Track funkelt. Aber nie in dieser überkompensierten "Look Mom, No Computer!"-Art. Eher wie jemand, der sich daran erinnert, wie das war, als der Dancefloor noch neue Farben erfunden hat.

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Vikter Duplaix (2002)

Das glatteste Verführungsmanöver der ganzen DJ-Kicks-Reihe. Vikter Duplaix macht nämlich nicht einfach eine Auswahl. Er legt ein komplettes, perfekt gedimmtes Schlafzimmer aus Sound an. 2002 war die Zeit, in der "Nu Soul" einmal kurz so aussah, als könnte er die Welt retten, bevor er sich in Cappuccino-Schaum auflöste. Aber Duplaix bastelt die Blaupause. 5-Sterne-luxuriös, trotzdem so geschmackvoll, dass man sich fragt, warum das Genre danach so schnell ins Wellnesshotel abgerutscht ist.

Ja, der Mix hat Groove, aber ohne Angeberei. So wie Sexszenen minus Cringe. Eleganz, aber ohne Snooze-Gefahr. Es ist die Sorte Musik, die nur Menschen machen können, die wirklich wissen, wie man ein Zimmer betritt. Jeder Übergang hier fühlt sich an wie ein Finger, der über eine glänzende Oberfläche fährt. Minimaler Druck, maximale Wirkung.

Eigentlich ist das Soul, der nicht bettelt. Oder House, der nicht schwitzt. Vielleicht R’n’B, der nicht in Kerzenwachs ertrinkt. Ein Mix jedenfalls, der mit Selbstsicherheit daherkommt, die 2002 fast unanständig wirkte. Während wir gerade versuchten, von Domino Day auf "Erwachsenwerden" umzuschalten, war Duplaix bereits dort. In Barfußschuhen, völlig unbeeindruckt.

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Motor City Drum Ensemble (2011)

Mal eben die House-Geschichte in eine Waschmaschine gesteckt, auf "Feinwäsche" gestellt — und heraus kommt etwas, das gleichzeitig alt, neu und völlig unantastbar wirkt. MCDE war 2011 sowieso schon der Typ, der House mit einer Ernsthaftigkeit behandelte, als wären Drum Machines gefährdete Tierarten. Und genau so hört sich dieser Mix an: wie eine Rettungsmission.

Es ist dieser analoge Menschensound, der MCDE von allen anderen Deep-House-Trüffelschweinchen unterscheidet. Nichts ist glatt, nichts ist steril. Alles ist Nacht. Aber ohne schnellen Kickoff, ohne kalkulierte Peaktime. Stattdessen baut er hier Spannung auf wie jemand, der weiß, dass Vorfreude die eigentliche Droge ist. Jazz, Disco, House, ein bisschen Detroit. Alles aber mit dieser MCDE-typischen "Ich mach das, weil es mir persönlich wichtig ist"-Aura. 2011 war das eine Erinnerung daran, dass House auch Seele haben darf, ohne dass 

jemand "Soulful!" in Versalien drüberpinselt.

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Eris Drew (2025)

2025 ist das Jahr, in dem alle "Rave ist zurück!" schreien, obwohl sie eigentlich nur meinen, dass ihre Lieblingsmarke wieder bauchfreie Tops produziert. Eris Drew sagt: Nein, nein, nein. Und zeigt: Das hier ist Rave. Das echte, vibrierende, verschwitzte, verbrauchte Ding.

Ihre DJ-Kicks klingt wie ein Tunnel aus Breakbeats und Liebe. Natürlich ist es wild. Chaotisch, klar. Aber eben so wie ihr Naturgesetz: der Motherbeat. Eris Drew gräbt tief, Hardcore Continuum, Garage-Anklänge, psychedelische Nebenstraßen — und baut daraus etwas, das gleichzeitig nach 1992 und 2077 klingt. Zeit ist hier ein Kreis, BPM sind Gefühle, und der Dancefloor ist eine Art Gruppentherapie, die niemand zugeben will.

Brandt Brauer Frick (2014)

Die einzige DJ-Kicks, die so tut, als hätte ein Technoclub beschlossen, endlich mal ein Kammerorchester einzuladen – und niemand merkt so richtig, dass es eigentlich andersrum ist. Alles hat diese hyperpräzise, fast unheimlich kontrollierte Körperlichkeit: Klicks, Klacks, ein Rhythmus wie ein Großraumbüro. Der Mix wirkt durchgehend so, als wäre er mit streng gefalteten Händen aufgenommen worden, während jemand schweigend nickt, weil die Snare "intellektuell korrekt" platziert ist.

Ja, äh, etwas, das sowohl nach Berghain-Experimentalslot als auch nach Literaturhaus-Anbau klingt. Einer dieser seltenen DJ-Kicks, die beweisen, dass man die Dancefloor-DNA nicht verliert, nur weil man ein Konservatorium von innen gesehen hat. Zwischendurch blitzt diese schöne elegante Arroganz auf: "Wir machen Techno, aber wir könnten auch einfach Noten lesen, wenn wir wollten." Und genau das macht den Reiz aus, irgendwie.

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