10 Drum-and-Bass-Remixe, die die Popmusik besser gemacht haben
Foto: Constellate Talent Press Kit, by Ollie Grove

10 Drum-and-Bass-Remixe, die die Popmusik besser gemacht haben

Features. 14. August 2026 | 5,0 / 5,0

Geschrieben von:
Thaddeus Herrmann

Es gab eine Zeit, in der die ganze Welt zu Drum and Bass slammte. Die stilprägenden Breaks à la Amen und Apache waren für ein paar Jahre in den 1990ern die kickende Alternative zum 4/4-Gleichschritt – und machten Clubkultur und Dancefloor auf für die interessant, die mit Techno nichts am Hut hatten oder haben wollten. Das hatte mitunter bizarre Auswüchse.

Begann man am Samstag um 11 Uhr seine Shopping-Tour in der ersten Boutique auf der hippen Einkaufsmeile, konnte man DJ-Mixe von LTJ Bukem um Co. problemlos durchhören, weil die CDs in allen Läden zeitgleich gestartet wurden. One nation under a groove, nur eben auf 160 BPM. Die Tage des Undergrounds waren schon lange vorbei, die One-Hit-Wonder auch. Die Breakbeats waren bereit für den Mainstream. Die Majors wunderten sich – und zückten die Scheckbücher.

Drum-and-Bass-Remixe gehörten in dieser Zeit zum guten Ton. Indie, Rock, Pop, Hip-Hop, Jazz: Praktisch alle wollten auch auf dem Breakbeat-Dancefloor stattfinden. Warum? Unklar. Echtes Interesse? Erkaufte Glaubwürdigkeit? Die verdammet realness eben. Die Producer von Bristol über London bis Edinburgh lachten sich ins Fäustchen, luden den gechoppten Amen in den S-1000 und kassierten ein paar tausend Pfund.

Das klingt einigermaßen desillusioniert – ist es aber gar nicht. Denn im dem Remix-Wust gibt es auch zahlreiche Perlen, bei denen unterschiedliche musikalische Realitäten und Entwürfe erst clashen und dann die glitzerndsten Babys bekommen. Urknall-Material, in dem der stete Gleichklang aus dem verlässlich loopenden Genre-Paternoster auf die Teststrecke der Zukunft geschickt wurde. Und dabei nicht in die Leitplanken krachte, sondern in Lichtgeschwindigkeit dreimal den Mars umrundete – mal mit durchgedrücktem Gaspedal auf die Dancefloor-Zwölf, mal sachte und verhalten, fast schon erwachsen.

Hier kommen zehn Drum-and-Bass-Remixe von damals, die auch heute noch alles killen. Alles auf +8 bitte, versteht sich von selbst.

Björk – Cover Me (Dillinja Mix, One Little Indian, 1996)

Ja, Björk war Goldies Freundin, also irgendwie nah am Thema. Ja, Björk fand Remixe eh cool. Bevor ihre eigene Musik wirklich weird wurde, sprenkelte sie ihr Œuvre mit zahlreichen Bearbeitungen von Musiker:innen des jeweils aktuellen Kanons. Das Original ist mit zwei Minuten und fünf Sekunden eine dieser verhuschten Skizzen der Isländerin, über die Fans zwar ganze Subreddits vollschreiben, im Mainstream jedoch natürlich nie verfangen haben. Obskur! Cute!

Was braucht das Obskure? Dillinja! Karl Nicholas Francis war in den 90ern Experte, wenn es darum ging, das Eckige ins Runde zu bringen. Sein Markenzeichen war nicht nur Distortion allgemein, sondern auch die noisigste 808-Snare, die die Welt bis dahin gehört hatte. Hier ist er ganz bei sich. Sith-Lord des Funks und der Darkness. Zieht die Vorhänge zu, schichtet die Break-Fragmente, baut auf, nur um alles wieder in sich zusammenkrachen zu lassen. Dillinja ist jemand, der gnadenlos rechts überholt. Oder eben links, weil UK. Lichthupe auf Autopilot. Mit seinem kongenialen Umgang mit Björks Vocals macht er mit diesem Mix etwas möglich, was auf dem Dancefloor nur selten passiert: das Reale mit dem Fiktionalen zu verbinden.

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Garbage – Milk (Goldie Completely Trashed Mix, Mushroom Records, 1996)

Der Sound von Garbage ist für einige kaum mehr als die musikalische Interpretation der Langeweile im US-amerikanischen Rust Belt. Wisconsin. Alles so weit weg! Auf dem Debütalbum treffen Styles und Haltungen aufeinander, die sich selbst auf den schlechtesten Depeche-Mode-Platten nur in der Ausblende im Rückspiegel begegnen. Ein paar gute Songs finden sich dennoch auf der LP: "Milk" zum Beispiel. Wusste auch die Plattenfirma und kaufte Remixe ein. Von Massive Attack, aber auch von Goldie, dem Posterboy des Drum and Bass, der das Motto des Genres – "Timeless" – kurz zuvor als Titel auf sein Album geklebt hatte. Kudos. Nicht nur wegen "Inner City Life".

"Milk" soll wohl Trip-Hop sein. Und ist wegen seiner kompletten Uninformiertheit in diesem Belang ein großes Kleinod: mit hauchigen Vocals, bei denen einem das Tumbleweed um die Schienbeine schmeichelt, einem hingeworfenen Drumloop, der das Putzlicht wie von selbst anmacht und einer poesialbumsartigen Endzeitstimmung, die Herzen bricht. Groß. Goldie interessierte das alles natürlich gar nicht. Stattdessen transponierte er das sanfte Drama in eine dringliche Studie des hyperaktiven Abriss. Die Beats sind der pure Wirbelsturm, wirr, kaputt, fragmentiert und kurz vor dem Bassbin mit Sekundenkleber in die Welt gepustet. Was unten rumpelt, wird oben von den schweren Strings und dem Gesang von Shirley Manson abgefedert und zusammengeführt. Goldies Remix ist Teil der unendlichen Playlist, die einen alternativen Sound-Entwurf für "Bladerunner" verhandelt. 

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Saint Etienne – The Sea (PFM Remix, Heavenly, 1996)

Die Diskografie von Saint Etienne ist schon unübersichtlich. Sarah Cracknell, Bob Stanley und Pete Wiggs haben einfach zu viel veröffentlicht. Indie durch und durch eben. "The Sea" ist noch verrückter: Der Remix erschien vor dem Original. "Down By The Sea" sind drei Minuten wunderbarster Bedroom-Pop mit Restgeräusch und verstimmter Orgel, veröffentlicht auf einer japanischen Compilation.

Die Band hat eine sehr durchwachsene Geschichte in Sachen Remixe. In der frühen Phase wurden Menschen wie Aphex Twin, Autechre, The Chemical Borthers und Andrew Weatherall beauftragt. Später wurde es sehr beliebig. Eurodancig und Handbag-housig. Der Remix von PFM – einfach nur "The Sea", sind ja alle schon down and by sowieso – ist ein Beispiel, wie der vor allem von Producern wie LTJ Bukem geprägte smoothe Drum-and-Bass-Sound trotz aller Verspieltheit die Kraft und Macht hat, einen Dancefloor amtlich durchzuschütteln. Mike Bolton nimmt sich nur ein einziges Vocal-Sample der Sängerin Cracknell als Orientierung. Dieses "Down by The Sea" droppt er auch nur ein Mal. Man kann das Trance nennen. Oder Liquid Drum and Bass. Doch dieser Begriff war damals noch nicht erfunden. Bolton türmt Schicht um Schicht melodische Elemente, lässt die Breaks flattern, im kurzen Breakdown das Vocal-Sample ebenso kurz im Ärmelkanal schwimmen gehen und baut dann wieder also von vorne auf. Hier wird aus etwas bewusst ganz Kleinem ein gigantischer Wolkenkratzer aus Sound.

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Courtney Pine – Don’t Xplain (Flytronix Remix, Talkin' Loud, 1996)

Ohne Acid Jazz geht es wohl nicht. Courtney Pine ist ein hoch geschätzter britischer Saxofonist, der sich seit seit den frühen 1980er-Jahren die Seele aus den Lungen bläst. In den späten 1990ern landete er auf dem Label Talkin' Loud von Gilles Peterson. Würde die Originalversion – der Song ist ein Cover von Billie Holiday, die Vocals stammen von Cassandra Wilson – nicht von vollkommen überflüssigen Scratches gestört werden, hätte man sie heute auch in deutlich besserer Erinnerung. Ok geht das dennoch.

Der Remix von Flytronix hat bis heute keinen Funken seiner Dringlichkeit verloren. Danny Demierre hatte mit seinen Releases einen ganz eigenen Style für die Dancefloor-Interpretation von jazzigen Angelegenheiten entwickelt. Für Courtney Pine sprang er einfach in seinen eigenen Pool. Federnde Breaks, Fender Rhodes bis zum Anschlag komprimiert, fast schon kitschig wirkende Synth-Soli und jede Menge Bass. Wer Flow will, muss Flytronix hören. Das wird besonders nach dem Breakdown deutlich, wenn die Breaks in ihrem gechoppten Zustand plötzlich mit- und gegeneinander in Szene gesetzt werden. Eine Frage bleibt jedoch: Warum ist das überhaupt ein Remix? Hätte Gilles Peterson diese Version als A&R nicht zum Statement erklären sollen? War wohl doch nicht so viel Acid im Jazz damals in London.

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Drum and Bass Remix
Foto von moollyem auf Unsplash

Air – Modulor Mix (Source Direct Remix, Mo Wax, 1996)

Man muss Air heute nicht (mehr) mögen, damals war der Chaiselongue-Sound jedoch außerordentlich commode. "Modulor Mix" ist dafür das perfekte Beispiel. Pseudo-futuristischen Moog-Arpeggios und Bariton-Saxofon-Samples machen exemplarisch hörbar, dass es eben doch cooler ist, seine/n Liebste/n im Garten von Versailles anzutanzen als auf der Kölner Domplatte. 

Das wusste auch James Lavelle, Betreiber des Londoner Mo-Wax-Labels. Er lizenzierte den Song und kaufte zusätzliche Remixe dazu. Bei ihm saß das Geld locker, aber wer DJ Shadow unter Vertrag hatte, musste sich vielleicht auch keine großen Gedanken machen beim Vodka-Lunch in Chelsea. 

Source Direct – Jim Baker und Phil Aslett – zerlegten den Track in seine Einzelteile und vergaßen beim Zusammensetzen, jegliche Referenzen des Originals wieder einzubauen. Kann passieren, aber das Duo aus St. Albans hatte sich mit einem unverwechselbaren Sound einen Platz ganz oben erspielt. Immer wieder veröffentlichten sie auf Metalheadz, vor allem aber auf ihrem eigenen Label. Ihre Version von "Modulor Mix" ist kein Drum and Bass. Vielmehr eine Downtempo-Extravaganz für das letzte Zucken der Afterhour. Ein Beweis dafür, dass Musik nie endgültig ist.

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Therapy? – Loose (Photek Remix, A&M Records, 1995)

"Loose" der irischen Band Therapy? passt in das Jahr 1995. So klang der Indierock der 90er. Das Verwaschene des frühen Shoegaze war in die Marshall-Wände der Rocker eingezogen, frischer Wind des (Brit-)Pop föhnte auch die langen Haare der eher traditioneller denkenden und produzierenden Bands. Therapy? agierten irgendwo dazwischen, hatten mit "Troublegum" 1994 großen Erfolg und versuchten daran mit "Infernal Love" anzuknüpfen. "Loose" ist ein hervorragendes Stück Mosh-Pop, und auch noch gut orchestriert und produziert.

Mosh-Pop und Drum and Bass gingen immer sehr gut zusammen. Vergleichbare Energie-Level, wenn auch vollkommen anders instrumentiert, im besten Fall auch noch ähnlich radikal. Zwei, drei Samples (wenn überhaupt) reichen Rupert Parkes aka Photek aus, um seine Version zum perfekten Gegenentwurf einer musikalischen Idee zu machen. Eigentlich ist das ja Dub. Der allmächtige Amen-Break, nicht mal übertrieben gecuttet, sondern vielmehr in den Grundelementen ausgereizt, ist das Gerüst für eine kickenden und doch schwer melancholischen Slammer. Die Band produzierte das Original eigentlich genau mit den gleichen Versatzstücken, nur eben auf Radio-Edit-Länge für die Studierenden-Party. Photek minimalisiert und rationalisiert dieses Feeling, droppt das Vocal-Sample, baut sich aus irgendeiner Gitarrenmelodie seine eigene Hookline, und wo der Amen-Break nicht allein sein will, teleportieren die in Moll gegossenen Chords sofort alles Tönende nach Downtown Detroit. Vielleicht einer der besten Remixe von Photek überhaupt. Weil er die Möglichkeiten des Umgangs mit fremder Musik aufzeigt.

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Art Of Noise – Camilla The Old Story (J. Majik Remix, China Records, 1996)

Art Of Noise war weniger eine Band, als ein Projekt, das das technisch Machbare in teils epischen Fallstudien in Musik aus Samples erforschte. Klangkunst, die es in die Charts schaffte. Mega-Produzent Trevor Horn wusste, welche Knöpfchen man dafür drücken musste. "Camilla" ist ein Track, der auch heute noch erstaunlich konkret daherkommt, fast schon kompatibel mit den großen Hits "Moments in Love" oder "Peter Gunn". Es war Teil der Kultur der Plattenfirma ZTT, jeden Release mit unzähligen Remixen und Edits zu begleiten.

Keine Überraschung also, dass es von Art Of Noise nicht nur einen oder zwei Drum-and-Bass-Remixe gibt, sondern gleich ein ganzes Doppelalbum voll: mit Doc Scott, PFM, Lemon D, Dom and Roland zum Beispiel, aber eben auch mit J.Majik. Die Tracks von James Spratling waren stilprägend. Das Zerstörerische hatte er auf seinen Veröffentlichungen auf Metalheadz und seinem eigenen Label Infrared schnell perfektioniert. Drum and Bass war immer dann am besten, wenn genau das nicht offensichtlich tumb war, sondern das Kompromisslose von einer unverwechselbaren Eleganz getragen wurde – und das konnte J. Majik. Aber er beherrschte auch das Sanfte, das seine Dringlichkeit aus der Melancholie zog. Wie hier. "Camilla The Old Story" baut aus einem minimalen Snapshot des Originals ein ganz neues Universum. Herrlich funkelnd, erschütternd deep und in den Breaks wunderbar federnd und fluffend. Das klingt so verführerisch, wie sich das Kleingedruckte in einer Anleitung zur Glückseligkeit liest. 

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Fugees – Ready Or Not (DJ Zinc Remix, White Label, 1996)

Hip-Hop hätte es ohne Sampling nicht gegeben. Das gilt auch für Drum and Bass und alle Vorgänger-Genres, nicht nur wegen der Breaks. Die Fugees erfuhren das am eigenen Leib, als sie von Enya für die Verwendung eines Samples ihres Songs "Boadicea" Post bekamen. Ein paar Schecks später hatte man sich wieder lieb. Ein Hit ist eben ein Hit. Und "Ready Or Not" hält auch heute noch jedem An-die-Wand-werf-Test stand.

DJ Zinc – Benjamin Pettit –, ein Mann fürs extravagant Grobe mit großer Sammlung perfekter Jump-up-Basslines, zimmerte sich seine eigene Version der Fugees-Nummer. Und weil das damals wie heute eben ganz einfach war, presste er seinen Bootleg-Remix auf Whitelabel. London drehte durch. Bei Sony Music war man darüber nicht sonderlich amused und ließ ausrichten, dass man gegen eine reguläre Veröffentlichung vorgehen würde. Zinc war zu diesem Zeitpunkt musikalisch schon drei Lichtjahre weiter. Schade eigentlich. Kaufen konnte man die 12" dann doch ganz gut, weil diverse andere Parteien den Bootleg bootleggten und im Umlauf hielten.

Der Mix ist faszinierend. Im Fokus stehen die Vocal-Samples, klar. Der Amen-Breaks ist rudimentär gechoppt, hat aber dank extra Hi-Hats einen fast schon irren Drive, der durch die Platzierung und Betonung der Snare fast schon rockistische Ausmaße annimmt. Besser als das Original? Vollkommen anders halt. So funktionieren Remixe.

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Olive – You’re Not Alone (Roni Size Remix, RCA, 1996)

Nummer-1-Material. Mit "You're Not Alone" schaffte es die Londoner Band Olive ganz nach oben in die britischen Charts. Die Karriere des Trios war mit zwei Alben kurz, aber heftig. Tim Kellett hatte zuvor bei Simply Red gespielt, Robin Taylor-Frith war mit Nightmares On Wax bei Warp unter Vertrag. Und die Sängerin Ruth-Ann Boyle kannten Auskenner:innen vom damals aktuelle Album von The Durutti Column. "You're Not Alone" ist eine dieser UK-Dance-Hymnen, denen man gar nicht entkommen kann. Der Wind trug den Refrain durch die Londoner Tube-Tunnel. Bei aller produktionstechnischer Anschlussfähigkeit an die BBC-Morgenshow schlummert hier ein Stück Musik, das vielleicht einfach nur eine minimale Richtungsentscheidung gebraucht hätte, um zum ikonischen Klassiker zu werden.

Roni Size stellt mit seinem Remix diese Allgemeingültigkeit zwar nicht her, zeigt aber, was möglich gewesen wäre. Roni Size ist einer der Godfathers des Drum and Bass aus Bristol. Als Macher des Full-Cycle-Labels setze er zusammen mit seinem Kumpel DJ Krust andere Sound-Akzente als London.

Die Beats rollen im Bristol-Style. Leichter, mit einer anderen Geschmacksrichtung des Funk versetzt. Dabei folgt Size über weite Strecken der Struktur des Originals. Doch immer, wo genau dort die 909-gewirbelte Euphorie einsetzen würde, droppt Size den Jazz und filtert die Vocals ins Unkenntliche. Ein fast schon harmlos wirkender Groover. Doch spätestens bei der Bassline klirren die Fenster der semi-detached houses im ganzen Königreich. Hier gibt es Luft zum Atmen, die ganz eigenen Pirouette bekommen Auftrieb – vom umgekehrten Schub der Schwerkraft und der unverblümten Kraft der gewitternden Breaks.

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Lana Del Rey –  Born To Die (Marcus Intalex Remix, Soul:R, 2012)

Dass Drum and Bass auch nach den 1990er-Jahren noch popkulturell relevant war, zeigte Marcus Intalex 2012 mit seinem Remix für Lana Del Rey, die Queen der Moodyness. "Born To Die" ist ein Monolith der A&R-getunten Einsamkeit. Marcus Intalex – gestorben 2017 – war einer der besten DJs Englands. Punkt. Musik und Schallplatten gehörten zu seinem Leben wie ein dick mit Marmite bestrichener Toast. Ein offener Geist, der sich immer für Beats und Sounds interessierte. Auf seinem Label "Soul:R" erschien ein Klassiker nach dem anderen. Und ganz nebenbei remixte er dann auch noch Lana Del Rey.

Dabei ist es zunächst beeindruckend, wie gut deren melancholischer Gesang auf die Beats aus Manchester passt. Zwei ganz unterschiedliche Arten der drückenden Dringlichkeit. Intalex’ Mix ist auch Bestätigung dafür, wie wenig die Breakbeat-Science an ihrer Faszination eingebüßt hat mit den Jahren. Nämlich gar nichts. Dieser Track beweist, wie wichtig es ist, die ganz eigene Stimmung bestimmter Songs in anderem Gewand mitnehmen zu können in andere Zusammenhänge. Denn auch auf dem Dancefloor darf geschluchzt werden.

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